Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Die Central-Vereins-Versammlung in Posen
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 713 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316713-2332497--11832-2332589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Central - Vereins - Versammlung in Pichen. HZ fassung aller Juden ankommt. Als der Gedanke des Judentages angeregt wurde, da hat der Centralverein den Gedanken aufgegriffen, um eine Zentralisation aller jüdischen Organiiatwnen behufs gemeinsamer Arbeit zur Hebung der gesamten deutschen Juden daraus zu machen. Ich glaube, daß sich daraus ein Segen für das Judentum ergeben wird. Die Schicksale der Juden sind geknüpft an hU aussteigende Zivilisation. Darum ist meine Hoffnung, daß der Verein bestehen, daß er den Kampf zum Segen und Frieden führen toirb, unverwüstlich und ebenso groß wie mein Wunsch für den Bestand uni das Gedeihen des Judentums. Tosender, langanhaltender Beifall folgte diesen Ausführungen und dann widmete der Vorsitzende, Rechtsanwalt K i r s ch n e r dem Redner im Namen der Versammlung Worte des Dankes und du Versicherung, daß man künftig im Sinne dieser Ausführungen fühlen und handeln werde. Nach Eröffnung der Diskussion drückte Dr. med, Jeremias seine Befriedigung darüber aus, daß den Zionisten Gelegenheit gegeben worden sei, sich mit dem Central-Nerein und seiner Grundsätzen auseinander zu setzen. Er erkannte die Leistungen der Central-Vereins an, wünschte aber, daß man sich dabei noch nicht zufrieden geben solle; sodann behauptete er, es gebe keinen Zionismus ohne einen jüdischen Nationalismus, aber einen Central-Verein m\i einem solchen. Die wetteren Ausführungen wurden durch fortwährende Zwischen- und Protestrufe unterbrochen, sodaß die Worte des Redners im Tumulte verloren g'ngen. Aehnlich erging es dem nächsten Redner, Rabbiner vr. Königsberger, der zwar du Verdienste des Central-Vereins auf dem Gebiete der Abwehr anerkannte, aber den Zionismus als die beste Vertretung nach allen Richtungen bezeichnete. Nachdem beschlossen worden, den Rednern nur eine Redezeit von fünf Minuten zu gewähren, sagte Rechtsanwalt Plaezek: „Der Vorredner hat damit geschlossen, daß unttr der hiesigen Judenschaft ein großer Jndifferentismus herrscht; der Besuch der heutigen Versammlung beweist das Gegenteil Die Herren vom Central-Verein sind hierher gekommen, um von uns in der Ostmark zu lernen; die beiden Vorredner haben nichts getan, die Kenntnisse der beiden.Herren von den hiesigen Verhältnissen zu bereichern. Was haben wir hier in der Ostmark alles zu leiden! Es ist leicht, die Begeisterung zu entflammen; es ist schwer, etwas Positives zu leisten. Ich will hier zwei Punkte anführen. Es Hai sich in der letzten Zeit eine gewisse jüdische Presse, an' ihrer Spitze der „General-Anzeiger" von Dr. Moses, gebildet, die nicht genug abgewehrt werden kann. Wir Juden im Osten bilden einen außer-