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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 711

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Die Central-Vereins-Versammlung in Posen
Date
1903-12-01
Page
711 (sequence 4)
Language
German
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Die Central - Vereins-Versammlung in Posen. 711 Ostmarkenvereine nunmehr mit den Alldeutschen Verbänden, dem Vereinen für innere Mission und ähnlichen Vereinen Zusammengehen,-, dann, fürchte ich, wird das Deutschtum nicht gesammelt, sondern konfessionell gespalten werden, und dann mögen die Konsuln sehen, daß die Ostmark nicht Schaden leidet. Wir Juden wollen ein starkes Deutschland. Unsere Herzen und unser Verstand erstreben nur Erstarkung eines gesunden Deutschtums, das den Geist der! Menschenbefreiung atmet und immer geatmet hat. Wir wollen^ vaterländische Gesinnung überall aufrecht erhalten und das Juden-! tum mit dem Deutschtum vereinigen. Es ist das Verdienst des Centralvereins, daß er den Satz aufgestellt hat, daß man ein guter, Jude und ein guter Deutscher sein und bleiben soll. Die Juden! brauchen ihre Zugehörigkeit zum Deutschtum nicht mit einem Treu-! bruch zu erkaufen. Das Judentum hat nichts in sich, das den Juden! unfähig macht, ein deutscher Vollbürger erster Klasse zu fein. Treue, zu üben und sich das Vaterland durch den Antisemitismus nicht verekeln zu lassen, das soll das Programm der Juden sein. Die Juden! sind kein fremdes Volk, das Judentum ist nur ein religiöses Band,! das die Juden umschlingt, besonders innig umschlingt, weil die Jahrtausende lange Geschichte der Juden eine Geschichte voll Blut und! Tränen, aber auch eine Geschichte voll Stolz und Weihe ist. Wir! sind nicht Fremde aus dem Boden, aus dem wir geboren sind. Daraus ergibt sich unsere Stellung zum Zionismus. Der Zionist, der Deutschland als sein Vaterland betrachtet und indem Judentum nur ein religiöses Band, in Palästina nur die Heimstätte unsrer armen Juden Osteuropas sieht, der ist uns willkommen. Der Zionist aber, der sich wegwendet von seinem Vaterlande, der aus dem Judentum einen politischen Faktor,! einen jüdischen Staat machen will, der trennt sich von uns. Als ich hierher kam, bin ich von verschiedenen Seiten gebeten worden, ich möchte den Zionisten die Wahrheit sagen, von anderer Seite, ich möchte das nicht Lun. Meine persönliche Stellung zum Zionismus ist die: ich wünsche, daß die Zwnisten alle zu uns kommen mögend Soweit es sich um den nationalen Gedanken handelt, bin ich eip Gegner des Zionismus. Es ist schwer, über den Zionismus ein ab-! schließendes Urteil zu fällen. Er steht nicht mehr ganz auf dem Boden, auf dem er ursprünglich stand. Der Zionismus hat seinen Anfang genommen unter den Judell Osteuropas. Dort sind die Dinge erheblich anders als bei uns. Ich bin der Meinuyg, die Judenfrage kann nicht international, sondern nur national, in jedem Lande verschieden, gelöst werden. Insoweit möchte ich den Zionisten

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