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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 709

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Die Central-Vereins-Versammlung in Posen
Date
1903-12-01
Page
709 (sequence 2)
Language
German
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Die Central - Vereins - Versammlung in Posen. 709 berechtigt und würdig erachtet. Hier sei der Kamps weniger hoffnungsvoll, weil man die Angreifer und Verleumder nicht vor die Gerichte stellen könne; es seien die Behörden selbst, gegen die der Kampf geführt werden muffe. Leider gäbe es keinen Gerichtshof, der darüber wache, daß der Geist der Verfassung beachtet werde. Und dennoch solle der Kampf nicht aufgegeben werden, den staatlichen und kommunalen Körperschaften solle der Wille der Judenheit,ihr Recht gewahrt zu sehen, ohne Unterlaß zum Ausdruck gebracht werden. Die Juden sollten nicht müde werden, dort ihre Beschwerden vorzubnngen, unbeirrt dadurch ob sie Erfolg haben oder nicht. Der Resonanzboden, den das Judentum im Lande noch nicht habe, muffe und könne geschaffen werden. DerCentral- Verein sei politisch ind fferent, sein Programm decke sich nicht vollständig mit dem der liberalen Parteien. Für uns giebt es einen höheren Gedanken als den der Freiheit, es ist die Gleichheit. Haben die Christen ihren obligatorischen Religionsunterricht, so wollen wir Juden ihn auch haben. (Lebhaftes Bravo.) Für uns gibt es nur ein leitendes Prinzip: Wenn und wo es Antisemiten gibt, muß es auch Antiantisemiten geben. Wir müssen den Antisemiren bekämpfen, mag er reiner Antisemit, Deutschkonservativer, Bündle oder Zentrumsmann nach Porsch sein. Wo sich Llberale gegenüberstehen, da hat sich der Centralverein nicht hineinzumrschen. Das Programm der Liberalen bürgt uns dafür, daß antisemitijcheStrömungen nicht P.atz greifen. WoNationalliberale oder Freikonservat ve in Frage kommen, da müssen wir jeden einzelnen auf Herz und Nreren prüfen, wie er sich zu der Judenfrage stellt, und ob er gewillt ist, auch die Rechte der Minderheit zu respektieren. Ich möchte Sie vor den falschen Freunden warnen, die sich von allen Seiten an uns herandrängen und die wir abwehren müssen. Im Sommer d. I. erschien eine Zeitschrift „Die Toleranz", deutsch völkische Wochenschrift für Juden und Christen. Diese Zeitsch-ift hat einen sehr seltsamen Werdegang genommen. Neuerdings hat sie behauptet, daß das Bekennen unserer Glaubensbrüder zur Sozialdemokratie die Quelle des Antisemitismus fei. Die Herren von der „Toleranz" scheinen nicht zu wissen, daß der Antisemitismus älter ist als die Sozialdemokratie. Ein zweiter Fall, an den ich hier erinnern möchte, scheint mir auch em Fall falscher Freundschaft zu sein. Sie werden sich alle des Falles Kopsch erinnern. Der Central-Verein-hat sich an dem daraus sich ergebenden Kesseltreiben gegen die Fre sinnige Volkspartei nicht beteiligen wollen, weil wir aus ibrem Verhalten die Ueberzeugung Wonnen haben, daß sie redlich bemüht ist, den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Es muß uns genügen, daß in den Wahl-

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