Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Die Central-Vereins-Versammlung in Posen
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 708 (sequence 1)
- Language
- German
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708 Im deutschen Reich- Die KenLraL-Uereirrs-Wersammtung in Uojlen. Posen, 19. November. Der Einladung des hiesigen Komitees zur Versammlung am Dienstag Abend waren die in der Stadt und Provinz Posen wohnenden Mitglieder des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in so großer Zahl gefolgt, daß viele vor den geöffneten Türen der Nebensäle des Apollo-Saales Platz nehmen mußten; der Saal selbst und die Logen waren dicht besetzt. Die Versammlung leitete Herr Rechtsanwalt Kirsckner, der nach einer Begrüßungsansprache, und nachdem der Vorsitzende des Central-Verems. Herr Rechtsanwalt vr. Horwitz-Berlin, namens des Vorstandes die Anwesenden begrüßt hatte, dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, Herrn Zustizrat Dr. Eugen Fuchs-Berlin, das Wort zu seinem Vonrage über „Aktuelle jüdische Fragen" erteilte. Der Vortragende führte ungefähr Folgendes aus: Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen G.aubens ist ein Abwehrverein reichsdeuticher Juden, entstanden, als die Hochflut der antisemitischen Bewegung an den Grundfesten des deutschen Reiches rüttelte. Mit kleinen Nadelstichen habe die antisemitische Bewegung begonnen, und dann sei sie übergegangen zu Angriffen gegen die jüdische Religion und die sogenannte Raffe. Der Antisemitismus gefährde Ehre, Freiheit und Vermögen des einzelnen, sowie den Rechtsfrieden des Staates; er zerre die jüdische Religion in den Kot, er verblende die Massen und terrorisiere die Behörden; seine unmittelbaren und mittelbaren Wirkungen seien unsäglich traurige. Der Centralverein habe nicht mehr nötig, seine Daseinsberechtigung zu beweisen. Es gelte, das Haus zu sichern und den Frieden herzustellen. Da, wo die Ehre des Judentums angegriffen worden sei, sei der Centralverein stets eingetreten unbekümmert um den Erfolg, unbeirrt durch den Kleinmut der Freunde und den Haß der Feinde. Auf dem Gebiete der Rechtspflege fei viel erreicht worden, auf dem der Verwaltung seien gleiche Erfolge nicht zu verzeichnen. Bei der Be^ setzung von Aemtern würden die Juden noch immer nicht für gleich-