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Im deutschen Reich · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. 705

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Neues aus Galizien
Date
1903-12-01
Page
705 (sequence 5)
Language
German
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"Neues aus Galizien. 705 Im allgemeinen eine unerzogene, faule ja verlotterte Bevölkerung in jammervoller Lebenshaltung, auf der anderen Seite ein Häuflein wackerer Menschen, denen Arbeitsgelegenheit geboten ist, die den Segen planmäßiger freudiger Arbeit, des Kinderschutzes und des festen Zusammenhaltens zur Erringung besserer Lebensbedingungen an sich erfahren haben. Auch hier noch kein Eden, auch hier nur ein hartes und karges Stück Brot, aber nicht dem Almosen und der Gnade, sondern eigener und darum zukunftssicherer Arbeit verdankt. Non hier müssen wir ausgehen, wenn wir dem Lande Helsen wollen. Und wenn wir nun fragen, wie eine Erziehung zu planmäßiger Arbeit, zu ernstem Wollen für das ganze Land in die Wege zu leiten sei und dabei, wie selbstverständlich, unsere Blicke auf die Staatsregierung als die zunächst verpflichtete Instanz richten, dann müssen wir mit der Berichterstatterin die Frage aufwerfen: „Warum begnügt sich die Regierung mit Bevölkerungselementen, die nationalökonomisch betrachtet, so wenig wertvoll sind?" Wäre es nicht sowohl im Hinblick auf das allgemeine Staatseinkommen als auf die Ausübung der Wehrpflicht vorteilhafter, einer Provinz, in der Handel und Industrie, also Volkswohlstand und damit im Zusammenhang Volksgesundheit und Volks moral sich in einem Zustand des Verfalls befinden, frische Kräfte zuzuführen, damit sie aufblühe?" Die Verfasserin fährt fort: „Die Staatsanimosität gegen die Juden führt zu einer sehr deutlichen Art von Selbstbestrafung am Staatskörper. Die Individuen, die seit Generationen unter fortgesetztem Drucke leben, sind schwach und indolent geworden. Mit dem vielfach fehlenden Bewußtsein ihres Zustandes fehlt auch der Anstoß, ihn zu verändern, fehlt der Willensakt, ihre Lage zu verbessern. Der Wunsch, die galizischen Juden als Staatselemente leistungsfähiger und damit wertvoller zu machen, könnte auch von der Regierung unterstützt werden, wenn sie ganz ohne „Sentimentalität und Humanitätsdusel" ohne „Bevorzugung einer Rasse" nur ihren einfachen Vorteil erkennen wollte." So sehr man mit diesen Ausführungen einverstanden fein muß, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis man auf jener Seite seinen „einfachen Vorteil" erkennt, und so müssen wir denn nach anderen Kräften und Vereinigungen ausschauen, die etwa fähig und gewillt sind, einem bemitleidenswerten und tiöf gesunkenen, aber in seinem Kern gesunden und sympathischen Volkstum emporzuhelfen. Und da bieten sich uns denn an erster Stelle die gerstigen und sittlich-religiösen Kräfte und Ideen, die im Laude wirksam sind oder wirksam werden wollen. Von dem ersten und ältesten derselben, dem Chassidimus.

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