Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Die Feinde des Judentums und des Kulturfortschritts
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 700 (sequence 8)
- Language
- German
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700 Im deutschen Reich. Zeitung" ganz unverhohlen aus: „Die Behörde soll verpflichtet sein, die arischen Aerzte gegen diese mit Täuschungsmitteln betriebene Konkurrenz der Eindringlinge zu schützen. Die arische Aerzteschast leidet ohnedies schwer unter dem skrupellosen Geschäftsbetriebe ihrer jüdischen Standesgenossen. Nun soll ihr auch noch ein so wichtiges Moment, wie es die für das Vertrauen maßgebende Schutzmarke des Ariertumes ist (sie!), entrissen und den Feinden überliefert werdend" Ob die arischen Aerzte, wenn sie diese Ausführungen lesen, nicht ausrufen werden: Gott schütze mich vor meinen Freunden!? Im übrigen verlohnt es nicht, auf die Vorwürfe des skrupellosen Geschäftsbetriebes u. s. w. einzugehen. Ich habe diese und ähnliche haltlose Verdächtigungen bereits früher an dieser Stelle (Antisemitismus und Medizin Heft 1, 1899) nach Gebühr gewürdigt. Nackler braucht zudem der Geschäftsantisemitismus zu seiner genügenden Charakterisierung nicht in die Erscheinung zu treten, als es in obigen Auslassungen der Fall ist. Und wer an der Tendenz der Boykottierung jüdischer Aerzte noch zweifelt, der werfe einen Blick in das Wiener Deutsche Volksblatt, wo folgendes zu lesen steht: „Es war hohe Zeit, daß Abgeordneter Schneider die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf diese Fälschungen lenkte und dem Volke die Möglichkeit bietet, sich in Zukunft vor den absichtlichen Irreleitungen seitens der hebräischen Aerzte zu schützen. Wie kann aber der Schutz wirksam ei folgen? Wohl nur in der Weise, daß jeder Mensch Tag für Tag daran erinnert wird: Nimm keinen jüdischen Arzt, sieh dich wohl vor, daß sich dir kein Jude unter christlicher Maske als Arzt aufdringt. Das Publikum muß vor allem darüber aufgeklärt werden, welche Aerzte Christen sind und tUlche Juden. Diese so nötige Aufklärung kann nur auf dem Wege erfolgen, daß ein genaues Verzeichnis der christlichen Aerzte in Wien angelegt und verbreitet wird. Es darf fürderhin keine öffentliche antisemitische Versammlung abgehalten werden, ohne daß die Frage der jüdischen Aerzte besprochen wird, und daß die Anwesenden auf die imminente Gefahr des Illberwucherns der Juden im ärztlichen Stande aufmerksam gemacht werden. Jeder Teilnehmer der Versammlung soll ein kleines Buch mitbekommen, das die Namen aller christlichen Aerzte Wiens oder doch wenigstens feines Bezirkes enthält und in Hunderttausenden müssen diese aufklärenden Blätter hinausflattern." Den christlichen Aerzten aber, von denen „viele noch am falscher Kollegialität sich scheu an die Wand drücken", ruft das Hetzblatt zu: „Mutig voran! Geht kühn auf den Kampfplatz, die ganz. christliche Welr ist mit euch, und eure Losung sei: Juden hinaus! Sapienti sat!