Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Die Feinde des Judentums und des Kulturfortschritts
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 697 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Feinde des FudenlunN und des KulturfortschritLes. 697 Verdächtigungen, in denen es „eine schwere Schädigung wichtiger, für .as allgemeine Wohl bestimmter und für dasselbe ununterbrochen länger Institutionen" sieht. Die Mitglieder der Wiener Aerztekammer, ie nicht nur die Ausgabe hat, für die ärztlichen Standesmteressen ünzutreten, sondern auch an wichtigen Fragen der öffentlichen Wohlfahrt und Gesundheitspflege arbeiet, legten Mann für 'Mann ihr Amt nieder, „weil das Ansehen der Aerztekammer in einer noch nicht dagewesenen Weise auf das Tiefste herabgewürdigt wurde." Die Aerzte statzten scharfe Resolutionen gegen die „Wortführer der Unkultur", die Studenten der medizinischen Fakultät demonstrierten in Kundgebungen, bei denen es zu Reibungen und Schlägereien kam. Auch nt anderen Landesteilen wurden Beschlüsse gefaßt, in denen die tiefste Empörung über dieSchmähungen zum Ausdrucke gelangte, Schmähungen, auf welche ihre Urheber jo stolz waren, daß sie gar noch ihre massenhafte Verbreitung durch Drucklegung zum Beschluß erhoben. Mit jenen -Protestkundgebungen haben die Beteiligten zwar ihre Rechte mannhaft zu verteidigen gesucht, aber damit ist der Schaden, den die betörte Bevölkerung mehr noch, als die Aerzte zu leiden haben, nicht wett gemacht. „Tie Angriffe und Schimpfreden", so wird den Münchener Neuesten Nachrichten von Wien geschrieben, „babeu die allen zurückgebliebenen Volksschichten ohnehin tchon eigentümliche Aerztescheu noch vermehrt. Man hört von Aerzten Schauder dinge erzählen, wie sich in den Köpfen des Wiener Volkes die medizinische Welt malt. Die Kranken sind von einer sinnlosen Angst gepackt, 'Objekte vivisektorrscher Versuche zu werden und meinen ganz ernstlich, man lnfichre sie in den Sprrälen zu Epperimentenzwecken mit Krankßütsstoffen. Speziell vor Infektionen haben manche Patienten eine tragrkomyche Angü. So erzählt man sich in Aerztekreisen von Fällen, wo die armen Kranken flehentlich die Doktoren baten, doch an ihnen keine Versuche zu machen! Es sind die gleichen Vorstellungen, die in Rußland zu Cholercueiten die Bauern dazu treiben, die Aerzte Zu erschlagen, und die Desinfektionsmittel ins Wasser zu' werfen. Die häufigste Folge aber ist die Verspätung bei der Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe. Dank den Hetzereien der Agitatoren weicht das Volk den Kliniken aus, so lange es kann, und besucht sie nur, wenn der Zustand unerträglich geworden ist. Können die Aerzte dann bei den aussichtslosen Fällen nicht Wunder wirken, so rst der letale Ausgang oder die infolge der verabsäumten rechtzeitigen Behandlung unvenmiduche Verschlechterung in den Augen des Volkes ein neuer Beweis für •.ie Unkenntnis und Böswilligk it der Aerzte. In den volksrerchen Vorstadtbezirken Wiens ist diese Aerztescheu deutlich wahrzunehmen;