Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1903)
- Article
- Die Feinde des Judentums und des Kulturfortschritts
- Date
- 1903-12-01
- Page
- 694 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. m Professor hatte! Daß der Abg. Lueger bei dieser Korporation mit dem Ruse: „Hinaus mit den Juden aus der Universität und den Spitälern!" auf größten Beifall rechnen konnte, charakterisiert das geistige und sittliche Niveau, aus dem dieser Landtag glücklich angegelangt ist. Das Traurigste aber ist, daß der Vertreter der Staatsgewalt, Statthalter Gras Kielmansegg, kein Wort der Mißbilligung für diese Verunglimpfungen hatte, vielmehr mit den lärmenden Hetzern in das gleiche Horn stieß. Man muß bei dem ganzen Verlause der Debatten zwei Phasen unterscheiden, zunächst die gegen die Aerzte und die medizinische Wissenschaft gerichteten Angriffe, die nur gelegentlich mit antisemitischen Ausfällen gespickt waren, und späterhin die judenseindliche wirtschaftliche Pointe, die für die würdigen Volksvertreter wohl die Hauptsache bildete. Daß sich die Wortführer dessen nicht bewußt wurden, wie lächerlich ihre den Tieren gegenüber an den Tag gelegte Humanität auf jeden vorurteilsfreien Zuschauer wirken muß, da sie doch ihren andersgläubigen Brüdern jedes Mitgefühl versagen, darf nicht Wunder nehmen. Für die Leichen verlangte der antisemitische Abg. Steiner Gleichstellung, d. h. er forderte, daß im anatomischen Institute nicht nur, wie es der Fall wäre (?), Christen obduziert würden; den lebenden jüdischen Aerzten gegenüber versagt sein Gerechtigkeitsgefühl. Es kann an dieser Stelle nicht meine Aufgabe sein, den anderwärts oft genug erbrachten Nachweis zu führen, daß das Tiererpeiiment für die Förderung der Wissenschaft und damit für das Wohl der Menschheit durchaus unentbehrlich ist, daß dem geräuschvoll inszenierten Feldzuge gegen die Vivisektion jede sachliche Berechtigung fehlte. Allein ich will wenigstens eine Stimme, die aus Anlaß der in Rede stehenden Vorgänge laut geworden ist, an dieser Stelle sprechen lassen. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Olshaufen, der bekannte Gynäkologe, richtete eine Zuschrift an die „Neue freie Presse", in welcher er daran erinnert, daß allein in Preußen, amtlichen Quellen Zufolge, in den letzten 60 Jahren nicht weniger als 322 000 Frauen in der Blüte ihrer Jahre dem Kindbettfieber zum Opfer fielen, und daß es nur dem Tierexperiment zu danken ist, wenn wir dieser mörderischen Krankheit heute nicht mehr ohne wirksame Wehr gegenüber stehen. Er führt dann weiter aus: „Jeder, der sich ein wenig Kenntnisse im Gebiete der Heilkunde erworben hat, muß es wissen und weiß es, daß durch die Experimente am lebenden Tier vieles gewonnen ist zur Bekämpfung der schwersten Krankheiten, und kann sich sagen, daß noch ungleich mehr zu gewinnen ist. Auf diese Art der Forschung zu verzichten, heißt gegen die verderblichsten Krankheiten die Hände in den Schoß