Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / Klinsor
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 682 (sequence 5)
- Language
- German
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682 Im deutschen Reich. Centralvereinsvorstand das Thema des Vortrags auf die Tagesordnung gestellt habe, weil er den Mitgliedern über seine Stellung zu den politischen Wahlen Rechenschaft abzulegen schuldig zu sein glaubte. Daß das Referat von einem Anhänger der Volkopartei erstattet sei, sei ein bedeutungsloser Zufall. Zn dem Vorstände seien Männer aller liberalen Schattierungen vertreten; mancher sei sogar farblos. Das Ergebnis des Abends sei ein erfreuliches, denn es sei festgestellt worden, daß alle freisinnigen Fraktionen Gegner unserer speziellen Gegner sind und jeder Verkümmerung unserer Rechte entgegentreten werden. Zu Bruderkämpfen fehle jeder Anlaß. Die Bedeutung einer vier Jahre zurückliegenden Aeußerung desselben freisinnigen Abgeordneten, der wegen eines im Centralvereine gehaltenen Vortrages von den Antisemiten seinerzeit heftig angefeindet wurde, fei weit übertrieben worden. Freuen wir uns, daß das heikle Thema des Parteiwesens eine Aussprache gefördert hat, welche in einem herzlichen Dank ausklingt, den wir deutsche Juden allen freisinnigen Parteien ohne Unterschied und mit Einschluß der Sozialdemokraten dafür schulden, daß sie zweifellos gesonnen sind, unsere Gleichberechtigung nicht antasten zu Lassen. Nach dieser beifällig aufgenommenen Erklärung wurde die Versammlung in üblicher Weise geschlossen. Der Gemeindevorstand von Binz auf Rügen beantwortete eine von uns an die dortige Badeverwaltung gerichtete Eingabe am 2. November wie folgt: „Auf die an uns gerichtete geehrte Zuschrift vom 8. v. M. erwidern wir ergebenst, daß wir bereits Vorkehrungen zur Beseitigung der Aufschriften in unseren Badekabiuen getroffen haben. Wir werden für das nächste Jahr noch durch Plakate darauf Hinweisen, daß das Beschreiben usw. der Wände in den Badekabinen als Sachbeschädigung strafrechtlich verfolgt werden wird. Klinsor. Aus allen Teilen Deutschlands und auch aus Oesterreich gingen uns kürzlich von befreundeter Seite Exemplare eines Zirkulars zu, welches die Münchener Firma Sebastian Oberrieder au zahllose Papierhändler versandt hatte, um eine Ansichtspostkarte zu verbreiten, von der sie behauptete, daß das Motiv des darauf befindlichen Bildes, das unverkennbare Aehulichkeit mit der verpönten Dewaldschen Sch ächtpo st karte hatte, alten Altargemälden entnommen sei, „welche auf den Ritualmord Bezug nehmen". Das offenbar zu dem