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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 681

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
[Ohne Titel] / Klinsor
Date
1903-11-01
Page
681 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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VereinsnachrichLen. 681 kühl gegenüberstehe. Nur der Sozialdemokrat Bernstein habe in der Kisckinew-Mordsache im Parlamente der tiefsten Entrüstung Ausdruck gegeben. Auch dieser Redner zweifelte die Zuverlässigkeit der Freisinnigen Volkspartei in der Judenfrage an. In ähnlichem Sinne äußerte sich Herr Dr. Julius Moses, der insbesondere aus die traurigen Folgen des von den österreichischen Juden auf die Fortschrittspartei gesetzten felsenfesten Vertrauens hinwies. Die von den beiden Vorrednern gegen den Abgeordneten Kopsch, beziehentlich gegen die Centralleitung der Freisinnigen Volkspartei, gerichteten Angriffe veranlaßten den als Gast anwesenden Abgeordneten Or. Müller- Sagan das Wort zu ergreifen und die Anschuldigungen gegen seinen Freund Kopsch mit Entrüstung zurückzuweisen. Bei Aufstellung von Kandidaturen müßten alle Verhältnisse in Rechnung gezogen werden, um den Erfolg nicht zu gefährden; die Freisinnige Volkspartei habe aber wiederholt, zum Teil auch mit Erfolg, jüdische Kandidaturen aufgestellt; auch für die nächste Landtagswahl feien solche in aussichlsvoüen Kreisen vorgesehen. Dem Abgeordneten Kopsch wegen einer vor vier Jahren angeblich getanen, in ihrem Wortlaut keineswegs feststehenden Aeußerung antisemitische Gesinnung Zuzutrauen, sei eine ebenso bodenlose Lächerlichkeit, wie die Freisinnige Parteileitung antisemitischer Neigungen zu bezichtigen. Er sei übrigens nicht in die Versammlung gekommen, um für seine Sache zu werben, sondern nur, um der Wahrbeit zu dienen. (Lebhafter Beifall) Infolge eines von Herrn Kemptner eingebrachten Schlußantrags wurde die Rednerliste geschlossen. Eine darauf noch von Herrn Dr. Lewin aufgestellte Behauptung, daß die jüdischen Kandidaturen der Freisinnigen Parteileitung hätten abgetrotzt werden müssen, wurde von Herrn Dr. Horwitz als unzutreffend bezeichnet; die Freisinnige Volkspartei habe ihm sowie dem zweiten Vorsitzenden des Centralvereins, Herrn Justizrat Dt. Fuchs, Kandidaluren angeboten, die aus Mangel an Zeit abgelehnt wurden. Herr Dr. Wiesen thal betonte, daß eine Gesamtheit, die sich erst ihre Rechte zu erkämpfen habe, sich' ebenso davor hüten müsse, ihre wenigen Freunde durch Mißtrauen zu verletzen, als auch davor, den Gegnern ein Schauspiel gegenseitiger Anfeindung zu geben. Der Centralverein müsse ein gemeinsamer Boden für die deutschen Juden der verschiedenen politischen Richtungen sein und bleiben. Vereint müssen wir zusammenstehen in den Kämpfen für unsere Religion und unsere bürgerlichen Rechte, unbekümmert um die politischen ParLeiftreitigkeiten, wenn wir den schweren .Aufgaben gerecht werden wollen, die uns die kommenden Zeiten bringen werden. In dem Schlußworte erklärte Herr Justizrat Dr. Fuchs, daß der

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