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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 680

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
[Ohne Titel] / Klinsor
Date
1903-11-01
Page
680 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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680 Im deutschen Reich. anlaßt, sich über alle darin ausgestellten Behauptungen an Ort und Stelle Zu erkundigen. In allen Fällen halten sich die Behauptungen als krasse Unwahrheiten oder widersinniger Klatsch erwiesen. Das schwerste Unglück, welches die Ritualmordlügen-Verbreiter in Westpreußen anrichteten, habe die Familie des Adolph Lewy dadurch betroffen, daß unter dem Einflüsse der damit geschwängerten Atmosphäre vor mehr als zwei Jahren das Schwurgericht zu einer Verurteilung des Morittz Lewy wegen Meineids zu vierjähriger Zuchthausstrafe gelangte, während schlimmstenfalls nur eine in der Angst^der Gefährdung feiner Familie gemachte falsche eidliche Bekundung hätte vorliegen können. Für die Auffassung, daß mindestens die Strafabmessung an maßgebender Stelle keine Billigung gefunden habe, hat die jetzt erfolgte Begnadigung deutliches Zeugnis gegeben. Die fast gleichzeitige Ablehnung des Gnadengesuchs der Herren Bruhn und BLckler beweise, daß man anfange, sich über den wahren Charakter dieser angeblichen „Kämpfer für Recht und Wahrheit" klar zu werden, jedenfalls auch Bedenken trage, ihre Lust zur Fortsetzung ihrer verderblichen Tätigkeit dadurch zu vermehren, daß man auch ihnen Gelegenheit gebe, vonWeichselmünde aus zur Teilnahme an offiziellen Festlichkeiten Ausflüge nach Danzig zu machen. Die „Staatsbürger-Ztg." werde natürlich trotz dieser Enttäuschung ihre Wühlarbeit fortsetzen, dabei alles mögliche dem sogenannten „Denunzianten-Verein" in die Schuhe schieben, durch die Faselei von einer „Nebenregierung der Juden" die Behörden herabsetzen und immer, wenn nur Recht Recht bleibt, dieses als unfern Erfolg hinstellen. Aber auch wir müsfen bleiben, was wir sind: treue Juden und gute Deutsche, dann werden die wirklichen Erfolge nicht ausbleiben, zum Heil des Judentums und des gesamten Vaterlandes! — Diesen Ausführungen folgte eine lebhafte Dlskusston, die sich bis weit über die Mitternachtsstunde ausdehnte. Zunächst rühmte Herr Dr. Hirsch Hildesheimer mit Wärme die aufopfernde Tätigkeit, welche Herr Rechtsanwalt Sonnenfeld als Verteidiger des unglücklichen Moritz Lewy entfaltet habe, und bezeichnte es als eine Pflicht der Bruderliebe, dem bedauernswerten Opfer eines Gerichtsirrtums eine neue Lebensbahn zu eröffnen. Nachdem ein von Herrn Siegfried Caro mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde eingebrachter Schlußantrag abgelehnt worden war, suchte Herr Caspar Hartmann mehrere im Vorträge des Herrn Rechtsanwalt Sonnenfeld enthaltene Darlegungen über die Freisinnige Volkspartei zu entkräften. Herauf nahm Herr vr. Karl Lewin, obgleich er betowe, daß er keineswegs ein Sozialdemokrat sei, die Sozialdemokratie gegen die Behauptung in Schutz, daß sie der Judenfrage ziemlich

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