Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / Klinsor
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 679 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316712--11768-2332454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vereinsnachrichten. 679 er u. a. des Hinscheidens von drei hochverdienten Vertrauensmännern des Vereins (Adolf Elias in Dortmund, Gustav Davidsohn in Danzig und Leopold Stern in Cannstatt) gedachte, auf den erfreulichen Aufschwung der jetzt schon über 1150 Mitglieder zählenden Hamburger Vereinsgruppe hinwies und denjenigen Vertrauensmännern, die dort und in andern Landesteilen die Vereinsfache mit Eifer und Hingebung fordern, den Dank des Vorstands ausdrückte. Die wesentlich vermehrte Bureautätigkeit habe den Umzug in die geräumigere neue GeschäftssteUe (Berlin NW., Karlstraße 27, II., Quergebäude) veranlaßt. Die Witwe eines für die Vereinssache begeisterten Mitgliedes, Frau Hirschland in Berlin, habe dem Fonds für Rechtsschutzzwecke eine freiwillige Spende von 1000 Mark zugewandt, ein auswärtiges Vereinsmitglied durch ein ansehnliches Aequivalent seine Jahresbeiträge derart beglichen, daß er „auf Lebenszeit" die Mitgliedschaft erworben habe, was vielleicht auch andere Mitglieder zur Nachahmung aneifern dürfte. Besonders wertvoll war die Opferfreudigkeit eines Mitgliedes, das dem Vorstand für eventuelle Errichtung jüdischer Schlachthäuser in solchen Orten, in denen antisemitische städtische Behörden für ihre Schlachthäuser Schächtverbote erlassen, eine bedeutende Summe zur Verfügung stellte. Der Centralverein habe sich zwar nicht mit religiösen Fragen zu beschäftigen, aber bei solchen Schächtverboten handle es sich um einen tatsächlichen Eingriff in das verbürgte Recht der freien Religionsübung. Gegen solche mit Rechtsmitteln bisher vergeblich bekämpfte Einschränkung der Religionsfreiheit werde sich die Errichtung eigener Schlachthäuser zweifellos als das wirksamste Schutzmittel erweisen. Uebngens habe man in Stendal das Schächtverbot wieder zurückgenommen, in Hildesheim derartig abgemildert, daß es kaum noch fühlbar werde; in Perleberg, Potsdam und Angermünde sei ähnliches zu hoffen. Der Vorsitzende erinnerte hierauf daran, daß die antisemitische Ritualmord-Legenden-Erzeugung von den Antisemiten auch in der letzten Osterzeit wiederum eifrig betrieben worden sei, leider nur in Oesterreich mehrfach zu gerichtlichen Bestrafungen der Verleumder geführt, aber in Rumänien und Südrußland unsagbares Unheil angerichtet habe. - Auch die Ermordung eines armen jüdischen Schriftsetzers in Stegers bei Schlochau sei als eine Folge des in Westpreußen durch die Agitationen von Bruhn und Böckler beständig aufgefrischten Ritualmordwahns zu betrachten, und es könne die moralische Mitschuld an jenem Verbrechen, nicht nach dem russischen Rezept: „Die Juden haben provoziert" verdunkelt werden. Eine darauf ab- Zielende Erklärung des Abgeordneten Böckler in einem „Der Judenkrawall in Stegers" überfchriebenen Artikel habe den Vorstand ver-