Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 671 (sequence 7)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 671 Kraft saugt, und dann, daß er sich mit einer Reihe anderer rückständiger Bestrebungen verquickt hat, die mit der Bekämpfung des Judentums keinen inneren Zusammenhang haben. So vegetiert er denn noch. Mehr aber auch nicht. Jede Werbekraft in den zukunftsreichen und intelligenten Schichten des Volkes fehlt ihm. Und wir, die wir ihn am gründlichsten kennen, sind am meisten gegen ihn immun . . Die Notiz der „Staatsbürger-Zeitung" vom 17. Oktober, wonach sich alle Inhaber von Gutscheinen des Baldenburger Turnvereins nach dem Verkauf der Turnhalle mit einer Zahlung von 75 v. H. begnügt hätten, bis auf einen jüdischen Kaufmann, der die restierenden 5 Mark eingeklagt habe, ist nach einem uns zugegangenen Bericht unzutreffend. Die Nachbarn des betreffenden Kaufmanns sollen vielmehr ihr volles Guthaben erhalten haben, während sein Lehrling für die auf 20 Mark lautenden 4 Anteilscheine nur 15 Mark zurückbrachte, und als er die Nachzahlung der 5 Mk. forderte, von dem Vorsitzenden des Turnvereins, dem Buchbinder Sperber, mit schroffen Redensarten abgewiesen wurde. Wegen dieser Redensarten beschloß der Kaufmann die Klage einzureichen; die Annahme der von dem antisemitischen Abgeordneten Böckler nachträglich eingesandten Mk. 5,05 hat er verweigert. Durch diese Einsendung wurde seiner Meinung nach nur die Annahme bestätigt, daß Herr Sperber ein Gesinnungsgenosse des Abg. Böckler, sowie des Gerichtssekretärs Richardi in Baldenburg sei, der bekanntlich früher in Tuchel als Antisemitenführer eine Rolle spielte. Uebrigens betreibt Herr Sperber neben seiner Buchbinderei und seiner - Agitation auch das mit seiner „deutschnationalen" Gesinnung eigentlich in Widerspruch stehende Gewerbe eines Auswanderungsagenten. Dem Semester-Bericht des „Vereins jüdischer Studenten" entnehmen wir folgende Mitteilungen: „Am 29. Oktober eröffnete der Verein das Semester mit einer glänzenden Antrittekneipe in Anwesenheit zahlreicher Gäste. Das kommende Winter-Semester ist ein Semester der Arbeit. Abgesehen von der inneren Organisationstätigkeit des Vereins, der in diesem Semester über 40 Aktive Zählen wird, werden wir uns diesmal wie in den Vorjahren an den zu Anfang Dezember stattfindenden Lesehallenwahlen beteiligen. Im Vorjahre gelang es uns bekanntlich zum ersten Male, zwei Kandidaten durchzubringen. Da unsere Stimmenzahl bisher eine stetige Steigerung erfahren hat, so können wir mit den besten Erwartungen in den Kampf gehen, der uns hoffentlich auch in diesem Jahre wieder einen