Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 660 (sequence 10)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. Zeugnis -ausgestellt, daß seine Richtung die konservative Weltanschauung vertrete und persönlich angenehmere Formen habe, als die „kleinbürgerlich-demokratischen deutschen Reformer unter Zimmermann. Herr Liebermann von Sonnenberg wird hingestellt als Gentleman, der sich mit der kargen Offizierspension und kleinen Schriftsteller- Einnahmen durchschlage, während den Führern der Reformer Geschäftsantisemitismus und dergl. nachgeredet wird." — Der Aerger Bruhns dürste bald beschwichtigt werden, denn die Freundschaft zwischen Stöcker und Liebermann von Sonnenberg kanrt durch dessen Parteinahme für die katholischen Jesuiten leicht erschüttert werden. Während auf dem Parteitage der Deutschsozialen der frühere Abg. Müller-Waldeck in Hamburg dem Freisinn vorwarf, unter grenzenloser Selbsterniedrigung um die Gunst der verschiedensten Richtungen zu buhlen, und Liebermann von Sonnenberg verschiedenen anderen Parteien nacksagte, daß sie jetzt bei den Nationalsozialen „Strandräuberei" betrieben, wurden darauf von fast allen Rednern Vorschläge gemacht, die aus ein Liebeswerben bei dem katholischen Centrum hinaueliefen. Erklärte doch in einem längeren Vortrage der Oberamtsrichter Brandis-Braunschweig, daß die deutsch, soziale Partei sich für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes aussprechen müsse. Ebenso wie der Antisemitismus nicht aufhöre, den Volksunterschied zwischen Christen und Juden zu betonen, dürfe er nicht aufhören, die. Volksgemeinschaft zwischen Protestanten und Katholiken zu betonen und die ungleiche Behandlung der beiden Religionsgemeinschaften als undeutsch und antinational zu bezeichnen. Liebermann v. Sonnenberg selbst pflichtete diesen Ansichten bei und brachte dabei unverhohlen seinen Wunsch zum Ausdruck, mit dem Centrum zusammenzunurken, das jetzt gezwungen zu sein scheine, praktischen Antisemitismus zu treiben. Eine diesen Anschauungen entsprechende Resolution fand mit einem abmildernden Zusatze Annahme, den der Pfarrer Specht-Zell offenbar deshalb beantragt hatte, weil er als evangelischer Gastlicher für eine Förderung der Jesuilensache die volle Verantwortlichkeit zu übernehmen doch Bedenken trug. Der Fraktion Liebermanns, der außer dem Oberamtsrichter Brandts auch der neue Reichstagsabgeordnete Amtsrichter Lattmann angehört, will sich auch der Abgeordnete Krösell anschließen, der seinen Wählern in Pyritz mitgeteilt hat, daß er sein Pfarramt niedergelegt habe, um zur politischen Arbeit für den Mittelstand ganz frei zu werden. Auf diese Freiheit konnte er übrigens ohnehin rechnen, nachdem bei der Berliner Schöffen-