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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 659

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-11-01
Page
659 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Umschau. 659 geordnete Böning-Heinersdorf und andere konservative Abgeordnete auf Anfragen der antisemitischen Wählerschaft abgegeben haben, bezeichnen eine gesetzliche Einschränkung der Gleichberechtigung der deutschen Juden als unmöglich, befürworten aber eine prozentuale Beschränkung bezüglich der Beteiligung an öffentlichen Aemtern und eine Erschwerung der Einwanderung fremder Juden, also nur Dinge, die in recht ausgiebigem Maße leider schon vorhanden sind. Für die jüdischen Wähler sind diese Erklärungen immerhin ein hinreichender Anlaß, ihre Stimmen jedem aussichtsreichen Gegenkandidaten eines Konservativen Zuznwenden, aber den radikal-antisemirischen Fraktionen ist mit dem 8tatu8 quo natürlich nicht gedient, denn damit entfällt die Möglichkeit, sich mit neuen judenfeindlichen Erfolgen Zu brüsten. Aber selbst die christlich-soziale Partei scheint es mit der „deutschen Reformpartei" gründlich verdorben zu haben; die „Staatsbürger-Zeitung" nennt Stöcker und feine Genoffen „politische Zänker und Neider" und sie dürfte das Organ des „teuren Vaters des Antisemitismus" nächstens als „Judenblatt" bezeichnen, wenn es nicht schleunigst revoziert. Der Berliner Antisemiten-Monteur schreibt ferner: „Wir wollen nur daran erinnern, in welch gehässiger Weise gerade „Das Volk" die antisemitische Bewegung im Königreich Sachsen behandelte, als diese im Jahre 1893 einen lebhaften Aufschwung nahm. Man griff in der persönlichsten Weise den Führer der sächsischen Antisemiten, Herrn Zimmermann, an, und man trug fleißig Holzscheite gegen den Chef-Redakteur der neu begründeten „Deutschen Wacht", Herrn vr. Lim an, zusammen, weil man annahm, daß unter dessen Leitung die Zeitung als Parteiorgan der Reformer einen erheblichen Aufschwung nehmen könnte; ihn zu beseitigen, war des Schweißes der Edlen im „Volk" wert. Man schnüffelte die Kirchenbücher nach, um festzustellen, ob nicht unter seinen Vorfahren irgendwie jüdisches Blut entdeckt werden könnte; man stachelte die Feinde vr. Limans auf, provozierte politische Prozesse und dergleichen mehr. Unfrieden stiften war stets eines der beliebtesten Kampfmittel der hinter dem „Volk" stehenden Männer, zu denen lange Zeit ja auch der damalige Antisemit, jetzige Judenfreund von Gerlach gehörte. Der letzte Parteitag der Deutschen Reformpartei hat einen so schönen Verlaus genommen, daß selbst die schärfsten Judenblätter nichts fanden, wo sie einsetzen konnten, um gegen die Antisemiten loszugehen. Dem „Volk" ist es Vorbehalten geblieben, auch jetzt wieder mit gehäffigen Angriffen, Verunglimpfungen und Verdächtigungen zu kommen. Der Führer der Deutfchfozialen, Herr Liebermann von Sonnenberg, wird gelobt; es wird ihm das

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