Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Der Centralverein und die politischen Wahlen
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 647 (sequence 29)
- Language
- German
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Der Central-Verem und die politischen Wahlen. 647 so kommen müßte, daß das geistige und sittliche Niveau des Judentums finkt. Es ist einfach unmöglich, daß Knechte, die geknechtet gehalten werden, denen die Möglichkeit entzogen wird, sich frei Zu bebetätigen, sich so frei entfalten, wie diejenigen, denen keine Schranken gezogen sind, denen nirgends Schikanen entgegengestellt werden. So würde also die antisemitische Bewegung das Herabdrücken des geistigen und sittlichen Niveaus einer großen Zahl von Mitbürgern im deutschen Vaterlande bedeuten, und dieses Herabdrücken kann natürlich nur dem gesamten Vaterlande zum Nachteil sein, denn es ist ein großer Unterschied, ob die Gesamtheit eines Volkes auf einer hohen oder auf einer niedrigen Kulturstufe steht. (Beifall.) Meine Herren, welche Auswüchse der Antisemitismus gegen das Recht überhaupt, gegen die Autorität der Gesetze Zeitigt, das ist doch grade an der Stelle gesehen worden, um die es sich bei der Frage handelte, in Schlochau und Könitz! Sie kennen die Konitzer traurige Zeit. Sie wifsen, daß bei Schlochau noch ganz jüngst, in den letzten Tagen, eine entsetzliche, schreckliche Bluttat verübt worden ist an einem Wanderburschen Levi, der aus Rußland herkam .... der in der Herberge dort Unterkunft finden wollte. Den haben diese Barbaren — ansässige Handwerksmeister — genötigt oder nötigen wollen, das Vaterunser zu beten, und haben ihn dann solange geschlagen, bis er tot liegen blieb. Gerade am heutigen Abend ist mir eine Nachricht von dort zugegangen, welche die Zeitungsberichte richtig stellt. In den Zeitungsberichten war es etwas wilder dargeftellt: sie hätten ihn geschlagen und diese Schläge hätten in der Nacht zu seinem Tode geführt, sodaß man vielleicht annehmen konnte, sie wären sich vielleicht nicht ganz der Roheit ihrr Tat.bewußt geworden. In Wirklichkeit soll es so gewesen sein, daß sie den Armen sofort auf der Stelle totschlugen, weil er das Vaterunser nicht beten konnte, so wie sie es haben wollten. — Meine Herren und Damen, soll man da sagen: Ich wähle den Antisemiten, dessen Lehre solche Früchte. zeitigt? Muß man nicht sagen: An den Früchten sollt Ihr sie erkennen?! Die Antisemiten versuchen natürlich, das von sich abzuschütteln, aber es ist einfach nicht möglich, daß sie das abjchütteln. Das ist die Frucht ihres Handelns.- In Könitz war nicht lange nach dem Lewyprozeß eine Bluttat an einem jungen Mädchen in der Weise begangen, daß ihr der Leib ausgeschnitten wurde. Als der Täter gefaßt war — er wurde zum Glück gefaßt, sonst wäre daraus auch ein Ritualmord gemacht worden — war seine Erklärung, die in der weiteren Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden ist — die: Ich hatte das