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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 646

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
646 (sequence 28)
Language
German
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646 Im deutschen Reich. Massen ans die angeblichen Urheber des Elends entfesselt den Geist der Unbotmäßigkeit, Zuchtlosigkeit, der Begehrlichkeit, des Hasses, und kann nur dem Umsturz zugute kommen; wenn das Volk dereinst einsehen wird, daß das gar nicht diejenigen sind, die das Elend über das Volk gebracht haben, wenn es dereinst einsehen wird, daß mit solchen Mitteln gar nicht das Elend aus der Welt beseitigt werden kann, dann muß das dem Umsturz zu Gute kommen." Ich will in dieser Beziehung nicht weiter zitieren. Ich will nur noch aus ein Moment Hinweisen und zwar auch wieder>mit der Adresse an unsere Behörden: Daß unser Kaiser kein Antisemit ist, daß er scharf die antisemitische Bewegung tadelt, daß er auch in praktischer Beziehung zeigt, daß er vollkommen frei von antisemitischen Regungen ist, das ist Gemeingut des deutschen Volkes geworden, darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Aber diejenigen Männer, die immer wieder von den Antisemiten ungezogen werden als Beweisstücke dafür, daß auch bei erlauchten, bei großen Geistern die Ueberzeugung von der Schädlichkeit des Judentums vorhanden sei, die Männer selbst sind teils ganz falsch zitiert, — teils haben sie in päteren reiferen: Jahren das Gegenteil gesagt, so Treitschke, Moltke, Mommsen und andere. Eins aber möchte ich hervorbeben; die Erklärung Bismarcks auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1878 gegenüber dem russischen Minister Gortschakoff. Wahrend Bismarck in jugendlichen Jahren allerdings Antisemit war, erwiderte er aus dem Kongreß dem russischen Minister, als der dafür eintrat, daß in Rumänien die Juden entrechtet bleiben sollten, und als er sich daraus berief, daß die Juden in Rußland auf einem so niedrigen Niveau ständen, — da erklärte Bismarck: „Vielleicht stehen die russischen Inden aus einem so niedrigen Nieveau, weil die Gesetzgebung ihnen die Gleichberechtigung vorenthält." Und ganz in demselben Sinne hat sich eine Reihe von andern Staatsmännern ausgesprochen, die man eher den Antisemiten, als den Liberalen zuzählen kann, zum Beispiel der, ich darf wohl sagen, berüchtigte Justizminister von Wühler. Der sagte: „Es gibt nur ein Mittel, um das Niveau der Juden zu heben, und das ist, ihnen die Gleichberechtigung zu gewähren." Ich will nicht alle die Männer zitieren, die auf demselben Standpunkte stehen. Ich will nur erklären, daß wir auf diesem Standpunkte stehen, daß wir keinen Zweifel daran haben, daß, wenn es den Antisemiten gelingen würde, uns zu entrechten, wenn es ihnen gelingen würde, unsere geistige und körperliche Arbeit auf eine kleine Reihe von Gewerben zu beschränken, es dann allerdings wieder

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