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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 645

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
645 (sequence 27)
Language
German
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Der Central-Vereln und die politischen Wahlen. . 645 Da ist die Frage aufzuwerfen: Wohin führt der Antisemitismus in religiöser Beziehung? Ich will nicht auf Oesterreich Hinweisen, weder Antisemitismus und deshalb die antisemitische Literatur auch besonders blüht; ich will nur die naheliegenden Fälle aus Deutschland Ihnen in Erinnerung rufen. Welche Stellung nehmen da die Antisemiten der christlichen Religion gegenüber ein? An dem Alten Testament zu rütteln fangen sie an und mit dem Neuen Testament hören sie auf. Sie bleiben nicht in der Mitte stehen. Lesen Sie einmal z. B. die Erklärung des Professor Förster, eines Mannes, der eine große Nolle im Antisemitismus gespielt hat. Der hat am 2. Juni 1896 in einer Zeitschrift „Freideutschland" erklärt: „Unter dem Einfluß des Christentums sei das deutsche Volk ein solches Jammervolk geworden." (Heiterkeit.) Dr. Böckel hat am 16. März 1895 im „Deutschen Volksrecht" geschrieben: „Das geistige Hebräertum, in christlicher Salbe geschminkt, verhält sich zum Deutschtum, wie Feuer zu Wasser. Die Frömmigkeit des Christentums verträgt sich nicht mit der Freiheitsliebe des Deutschen". Was er mit dem geistigen Hebräertum in der Schminke der christlichen Salbe gemeint — das ist nicht etwa so zu verstehen, als spräche er von getauften Juden. Das würde eine falsche Annahme sein. Sie finden vielmehr die Erklärung dafür in einer Schrift des vr. Dühring, auch eines Berliners, der ja auch ein Hauptantisemit ist; der die Beseitigung des Christentums als der letzten welthistorischen Schöpfung der verderblichen fremden semitischen Raffe erstrebt. Das Christentum sei die Schmach der Jahrtausende! Meine Herren, so steht es gedruckt.einmal da, das läßt sich nicht wegleugnen. Zu ähnlichen Ergebnissen, oder noch viel schlimmeren, kommt eine Reihe anderer Antisemiten, insbesondere jenseits der deutschen Grenzen, m Oesterreich, die ganz unverhohlen das Christentum, weil es aus muitischer Grundlage aufgebaut, vom Judentum herbeigeführt fei, als etwas Undeutsches verwerfen. Sie wissen, daß die „Kreuzzeitung" wiederholt Stellung genommen hat zu der wundersamen Behauptung Deutscher Antisemiten", daß der Gott Wotan die spätere Ankunft (Christi angekündigt habe, daß er genau so zu schätzen und zu verehren sei, wie Gott. Das ist ein Gesichtspunkt, auf den ich die christlichen Behörden hingewiesen üaben will, weil wir immer noch dort die wunderliche Meinung finden, daß der Antisemit eine geringere Gefahr sei, als der Sozialdemokrat, als der Pole. Das ist nicht richtig. Ich weise auf die Erklärung des hessischen Oberkonsistoriums vom Oktober 1890 hin. Sie charakterisiert ganz scharf und sehr treffend Ge Gefahren des Anlisemitismus. Sie sagt: „Die Hinlenkung der

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