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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 642

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
642 (sequence 24)
Language
German
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642 Im deutschen Reich. Ausführungen: „er hat mir die Erklärung gegeben" und: „ich weiß, er ist kein Antisemit." Sehen wir uns Herrn Kopsch an. Wir kennen ihn, als Berliner den Berliner, seit Jahren gut genug. Wir wissen, daß er hier in diesem Verein gesprochen hat (sehr richtig!), daß wir ihm hier mit Beifall zujubelten (Bravo!); solche Grundsätze hat er hier vertreten! Und was hat die „Kreuz-Zeitung" über diesen Mann geschrieben, als er bei uns den Vortrag gehalten hatte! Da berichtete sie das mit der hämischen Bemerkung: „Der noch immer nicht zum Judentum übergetretene Rektor Kopsch (Heiterkeit) bat dort den Vortrag gehalten", und diesem Manne wollen Sie heute sagen, er sei Antisemit? Meine Herren, das ist entweder eine Kurzsichtigkeit, oder es Läuft aus das hinaus, was leiderem großer schwerer Fehler, ein schweres Uebel in unserem gesamten öffentlichen Leben ist: auf gegenseitige Gehässigkeit, gegenseitiges Mißtrauen, auf das Bestreben, immer Anderen Schlechtes nackzusagen und überall das Schlechte zu wittern. (Sehr wahr!) Das ist es, was die Zustände bei uns im ganzen Lande vergiftet und was wir nicht über uns kommen lassen dürfen, sonst, meine Herren, kann in der Tat ein Wort Bismarcks wahr werden, das er in Bezug auf die Liberalen insgesamt gesprochen hat. Er hat gesagt: Wenn ich, Bismarck, einmal abgetreten sein werde, wenn sie mich nicht mehr haben, auf dem sie herumhacken können, dann werden sie sich gegenseitig auffressen: An uns ist es, dafür zu sorgen, daß wir dieses Bismarck'sche Wort nicht wahr werden lassen, daß wir uns nicht gegenseitig auffressen, daß wir nicht Vertrauen und Hingebung damit danken, daß wir mit Mißtrauen und Schimpfen antworten. Wir lassen uns unser Vertrauen weder zur Freisinnigen Volkspartei noch zur Freisinnigen Vereinigung, wir lassen uns auch das Vertrauen zur Sozialdemokratie in dem Sinne, wie ich es vorhin ausführlich dargelegt habe, nicht rauben, auch nicht durch einzelne antisemitische Erscheinungen im sozialistischen Lager. Wir wissen, wer unsere Freunde sind, und würden unser Schicksal jämmerlich leiten, wenn wir uns etwa der Verhetzung ergeben zeigten, nunmehr Alle für unsere Feinde zu halten, sie mit zu beschimpfen und sie dadurch zu nötigen, von uns abzurücken! Nun, meine Damen und Herren, komme ich zu dem letzten, was ich zu sagen habe. Es ist uns besonders übelgenommen worden, daß wir diesen Grundsatz: Zimmer gegen den Antisemiten", auch dort beobachtet haben, wo ein sogenannter Reichsfeind den Antisemiten gegenübergestanden hat. Zunächst wissen wir ja, daß „Reichsfeinde" schon so ziemlich alle Parteien genannt wurden, die wir im deutschen Parlament haben.

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