Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Der Centralverein und die politischen Wahlen
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 641 (sequence 23)
- Language
- German
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Der Central-Verein und die politischen Wahlen. 611 gehörst nicht in die Freisinnige Volkspartei, und wenn du dort geduldet wirst — ich als Jude, wir alle hier im Centralverein sind mit dir fertig, wir wollen von dir nichts wissen. (Rufe: Bravo!)" Meine Herren und Damen, wir haben da aber vorerst zu prüfen: was Kopsch auf diese Erklärung erwidert hat. Kopsch sagt: Es ist unwahr, daß ich eine solche Erklärung abgegeben habe. Richtig ist, daß ich in jenem Wahlkreise die Chancen des Dr. Bernstein im einzelnen durchgesvrochen habe, daß ich auch die Frage angeregt habe, ob nicht sein jüdischer Name, seine jüdische Abkunft irgendwie geeignet wären, bei den antisemitischen Unterströmungen, uns eine Reihe von Stimmen abwendig zu machen." Kopsch hat die Frage aus jener taktischen Rücksicht angeregt, über die wir uns vorhin eingehend unterhalten haben. Kopsch ist ehrlich genug, zu sagen: Den Wortlaut meiner damaligen Bemerkung kann ich heute nicht mehr angeben, vier Jahre sind darüber ins Land gegangen, in einem Zwiegespräch über wichtige Dinge habe ich das gesagt, ich kann heute nur noch den Sinn vertreten, den die Worte gehabt haben; so wie mir die Worte in den Mund gelegt werden, habe ich sie bestimmt nicht gesagt, denn dann hätten sie einen antisemitischen Sinn gehabt. Da ich aber genau weiß, daß ich frei vom Antisemitismus bin und da ich auch weiß, daß ich lediglich aus taktischen Rücksichten diese Frage überall zu untersuchen genötigt bin, weiß ich auch, in welchem Sinne ich gesprochen habe, und ich weiß, daß meine Worte von jeder antisemitischen Färbung frei waren. Meine Damen und Herren, sollen wir dem Herrn Kopsch glauben, oder sollen wir genau auf jedes Wort der Erklärung des anderen Herrn schwören? Da werde ich sagen müssen: „Derjenige, der mir die Tendenz, den Geist eines Wortes wiedergibt, das er vor 4 Jahren gesprochen hat, hat den Vorzug gegenüber demjenigen, der ein so phänomenales Gedächtnis haben will, daß er sich nach 4 Jahren auf den Wortlaut der Aeußerung besinnt." (Sehr richtig!) Ich trete nickt etwa dem Herrn zu nahe, ich weiß, daß er ein ehrlicher, ein braver Mann ist, aber den Wortlaut sich zu merken, traue ich ihm aus dem einfachen Grunde nicht zu, weil nur wenige Menschen so begnadet sind, daß sie eine solche Aeußerung genau im Wortlaut vier Jahre laug im Gedächtnis behalten. (Sehr richtig!) Sehen Sie sich die letzte Erklärung des Herrn an. Wie lautet sie? Er sagt: „Ich weiß ganz gut, daß Herr Kopsch kein Antisemit ist (hört, hört!),.aber die Erklärung hat er damals gegeben." Ja, meine Herren, das sind eben Widersprüche. Wenn mir nmand wirklich eine solche Erklärung abgibt, dann weiß ich, 'das ist ein Antisemit (sehr richtig!), und es vertragen sich nicht diese beiden