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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 638

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
638 (sequence 20)
Language
German
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638 Im deutschen Reich. daß sie nichts von Antisemitismus wissen wollen; da ist es immer wieder notwendig, daß wir erklären: „wir Leben, wir sind als Gleichberechtigte da, Ihr seid verpflichtet, Eure Grundsätze, die ja billig und gerecht sind, auch wirklich zur Ausfüllung zu bringen"! (lebhafter Beifall). Wenn Sie sich die Kandidatenliste ansehen könnten, die gegenwärtig für die jetzt unmittelbar bevorstehende Landtagswahl für Wahlkreise aufgestellt ist. die absolute Aussicht verbürgen — ich will nicht Namen nennen, — doch hier die Berliner Verhärtnisse sind Ihnen ja bekannt, da wissen Sie, daß wir mit allergrößter Wahrscheinlichkeit für Berlin drei jüdische Abgeordnete bekommen werden (Beifall) — meine Damen und Herren, da könnte vielleicht Ihnen allen der Gedanke kommen, ob da nicht des Guten Zuviel getan ist? (Ruse: Nein! — Heiterkeit.) — „Nein" können Sie erst sagen, wenn Sie die Zahlen hören, um die es sich hier handelt. Wir stehen selbstverständlich aus dem Standpunkt, daß, ob die Zahl groß oder noch größer ist, dies dann keine Rolle für uns spielen wird, wenn nicht etwa aus AengMchkeit soviele Juden aufgestellt worden sind, wenn sich nicht etwa die Parteileitung in den Fehler hätte drängen lassen, aus Furcht vor der Gefahr, für antisemitisch zu gelten, nun etwa in Wahlkreisen jüdische Kandidaten zu präsentieren, in denen die Zugehörigkeit des Kandidaten zum Judentum das Durchkommen gefährden könnte. Wenn diesen Fehler die Parteileitung nicht machte, so werden wir freilich auf dem Standpunkte stehen, daß die Religion uns völlig nebensächlich ist; denn wir fordern, es solle die centrale und die lokale Parteileitung denjenigen aufstellen, den sie für würdig und befähigt hält, das Amt, die Aufgabe eines Abgeordneten zu erfüllen. Aber, meine Herren und Damen, ich will damit nur gesagt haben, daß in der Tat die Parteileitung dort, wo sie den genügenden Einfluß hat, ernstlich bestrebt ist, auch den Schein uns gegenüber zu vermeiden, wie wenn sie irgend etwas gegen jüdische Kandidaturen hätte, und die Parteileitung bedauert es sicherlich lebhaft, daß dieser Schein durch den Umstand entstanden ist daß zum Reichstag jüdische Kandidaten nicht durchgebracht wurden. Aber ich glaube, Ihnen genügend die Gründe hierfür angegeben zu haben, und ich glaube, daß Sie alle mit mir überzeugt sein werden, daß jede Verdächtigung nach dieser Richtung hin aus Unkenntnis stammt, und wenn diese Unkenntnis beseitigt ist, wird diese Verdächtigung ohne Zweifel bei gerechten Männern aufhören. (Bravo!) Es sind dann ferner einzelne Pe-rsönlichkeiten der Volkspartei als antisemitisch verdächtigt werden, und, so gut ich bei der Freisinnigen Vereinigung im einzelnen darauf einging, was gegen die Partei

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