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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 639

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
639 (sequence 21)
Language
German
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Der Central-Verem und die politischen Wahlen. 639;-nt> was für sie spricht, eben so gut halte ich es für meine Verpflichtung, auch hier ausklärend zu wirken. Es ist insbesondere dem Abgeordneten Richter der Vorwurf gemacht worden, er sei im Herzen antisemitisch. Meine Herren, die ,,Zukunft" von Maximilian Harden amüsiert sich darüber und sagt in einer der letzten Nummern: Das muß dem Manne nun noch auf seine alten Tage passieren. (Heiterkeit.) Nachdem er zeitlebens für das Judentum so gearbeitet hat, daß ihm nichts mehr übng bleibt, weiter zu arbeiten, wird er jetzt plötzlich für einen Antisemiten verschrieen. (Heiterkeit.) Harden erinnert daran, wie in früheren Jahren Richter von uns Juden vergöttert wurde als der stärkste Hort der Gleichberechtigung, und plötzlich sei das alles vergessen und in das Gegenteil verkehrt. Meine Damen und Herren, was haben wir gegen Richter vorzubrwgen? Die Kandidatenfrage! Die aber glaube ich Ihnen ausführlich dargelegt zu haben; sie läßt sich gegen Richter persönlich nicht verwerten. Es ist jetzt jüngst in einem Berliner Blatt, oder sogar in zwei Berliner Blättern — das eine vertritt speziell jüdische Interessen, ich will aber wiederum beide Blätter nicht nennen (Heiserkeit), um den Schein zu vermeiden, als wenn es mir irgendwie daraus ankäme, eine persönliche Kritik gegen die Leiter der Blätter zu üben — dort ist jüngst die Behauptung ausgestellt worden, Richter habe von einem Journalisten jüdischen Glaubens verlangt, er möge sich taufen lassen oder er würde bei der Freisinnigen Zeitung nicht angestellt. Richter gibt als Antwort darauf die Erklärung, das sei eine läppische Erfindung. Von vornherein dürfte man annehmen, daß es sich um nichts anderes handelte. Aber es war notwendig, daß bei dem allgemeinem Mißtrauen, das gegenwärtig in der Welt schlechthin herrscht, Richter auch zu dieser lächerlichen Verdächtigung das Wort nahm, und er hat die bezeichnete Erklärung abgegeben. Daß irgendwie ein Gegenbeweis angetreten worden wäre, daß dieser Redakteur benannt worden wäre, davon hat man nichts gehört! Das ist das beste Zeichen dafür, daß es sich in Wirklichkeit um eine läppische Eifindung handelte. Was wäre sonst noch gegen Richter Persönlich vorzubringen? Man wird sich dessen erinnern müssen, daß er bis in die jüngste Zeit mit aller Wärme im Parlament, in Volksversammlungen und in der Zeitung für uns eingetreten ist. Ich muß Sie daran erinnern, daß bei jener Notariatsdebatte, auf die ich schon einmal angespielt habe, Richter nicht bloß zunächst den Abgeordneten Crüger von der Volkspartei veranlaßte, zu unfern Gunsten zu reden, sondern daß er damals persönlich auch noch das Wort genommen hat und daß er unbestritten

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