Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Der Centralverein und die politischen Wahlen
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 636 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316712-2332330--11693-2332411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
636 Im deutschen Reich. Volkspartei dringend bemüht war, jüdische Kandidaten auf den Schild zu erheben, daß die Parteileitung mit den betreffenden jüdischen Herren eingehend und sorgsam unterhandelt hat, daß sie sich die größte Mühe gegeben hat, die Widerstände bei den Personen zu überwinden. Auch dem Vorstandskörper dieses Vereines gehören mehrere Herren an, bei denen das die Parteileitung versucht hat. (Ruf: Wo?) -- Nun daß wir Ihnen Namen nennen, das werden Sie wohl kaum fordern. Ich glaube, daß ein Mißtrauen gegen die Wahrhaftigkeit meiner Worte in diesem Saale nicht aufkommen wird. (Rufe: Nein! und Beifall.) Ich will dieses kurze Kapitel zu Ende führen. Wenn es dann der Parteileitung gelungen war, den in Aussicht genommenen Herrn breitzuschlagen, um mich einmal dieses trivialen Ausdruckes zu bedienen, und wenn dieser Herr dann einem Kreise vorgeschlagen wurde, zum Teil einem Kreise, den er sich selbst auswählen durste — auch das, meine Herren, ist, wie ich aus eigenstem Wissen Ihnen versichern kann, geschehen, daß einfach gesagt wurde: Wählen Sie sich aus, wo Sie glauben, die meisten Chancen zu haben, wo Ihnen der Kreis am besten gelegen ist — dann scheiterte die Kandidatur an der Lokalleitung (Aha!), und wer waren diese Lokallciter? (Rufe: Juden!) — Es waren jüdische Mitbürger! Rufe: (Der jüdische Freisinn!) — Dieser Zwischenruf kennzeichnet so recht, daß diejenigen Herren, die diesen getan haben, sich noch vollkommen frei fühlen von den Anschauungen, die sie beseelen würden, wenn sie Mitglieder unseres Vereins wären. Wir treiben hier keine Parteipolrtik, wir wollen hier wissen, was wir als Juden zu erreichen haben, bei welchen Parteien wir reüssieren können. Wir können hier also nicht rufen: Aha, jüdischer Freisinn, sondern wir haben hier zu fragen: Wie stellt sich die Freisinnige Volkspartei dazu? und da sagte ich: Die Leitung hat sich in zahlreichen Fällen die größte Mühe gegeben. Wenn es scheiterte, scheiterte es zunächst an den Betreffenden, die in Aussicht genommen waren; wenn es an Denen nicht scheiterte, so scheiterte es an den einzelnen Leitern in den einzelnen Wahlbezirken. Der Standpunkt dieser jüdischen Wahlleiter ist außerordentlich verständlich, wenn ich ihn auch in einer Reihe von Fällen mißbillige. Er ist deshalb verständlich, weil die Juden in den betreffenden Bezirken sagten: Hier haben wir eine Reihe von Leuten, deren antisemitische Allüren bekannt geworden sind, He sich dabei immer wieder bereit erklären, für einen freisinnigen Mann