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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 631

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
631 (sequence 13)
Language
German
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Der Central-Verein und die politischen Wahlen. 631 beschränkenden Gesetze gegen die Juden entgegenstellen wird. Aber wir wissen, meine Herren, wie es geschieht: kühl bis ans Herz hinan; Warme haben wir nicht zu erwarten. (Sehr richtig!) Die Sozialdemokraten haben auch — und es muß daran erinnert sein, so schmerzlich es für diejenigen Herren unter uns ist, die sich zur sozialdemokratischen Partei bekennen — ich habe nicht die Absicht, etwa gegen die Partei hier Propaganda zu machen, aber es ist meine Pflicht, offen mitzuteilen, wie sich die einzelne Partei zu uns stellt: Die Sozialdemokraten haben mitunter die Wahlagitation auf Kosten der Juden betrieben! Ein großer Teil von Ihnen weiß, daß in der letzten Wahlzeit in einigen Wahlkreisen Flugblätter verteilt wurden, insbesondere in denjenigen Wahlkreisen, in denen antisemitische Strömungen befürchtet wurden, — Flugblätter, die eine Vignette, ein Bild trugen, das den Barbarismus des Kapitals gegenüber dem arbeitenden Volke darstellen sollte. Das stellte sie in der Weise dar, daß eine Equipage gezeichnet war, auf der ein Herr saß, der die Zügel in der Hand hatte und mit einer Peitsche kräftig darauf losschlug — nicht auf Pferde, sondern auf Arbeiter, die seinen Wagen zogen. Das will ich den Sozialdemokraten natürlich nicht übelnehmen, daß sie das Kapital damit bezeichnen, das ist ihre Programmsache, aber warum muß denn dieser Kapitalist, der da oben sitzt, den ausgesprochenen jüdischen Typus auf dem Bilde zeigen? (Hört, hört! und Pfui!) Meine Damen und Herren, das zeigt mir auch wiederum lediglich, daß es den Sozialdemokraten nicht darauf ankommt, sich auch einmal an die antisemitischen Instinkte zu wenden. Das wird mich aber trotzdem nicht zu der Ileberzeugung bringen, daß sie jemals für beschränkende Gesetze stimmen werden. Ich weiß nicht, ob es Sie interessiert, wenn ich Ihnen weitere Einzelheiten aus dem Wahlkampfe erzähle. (Rufe: Jawohl!) Ich will einen Fall noch mitteilen. In Pinneberg trat vor Jahren dem Abgeordneten Kopfch (Ruf: Aha!) ein sozialistischer Redner entgegen, der auch zu den kleinen Führern im Lande gehört, und der wörtlich erklärte: Kopfch sei der Kandidat der Judenpartei. (Heiterkeit!) Ja, wo wird es mir einfaüen, eine solche Aeußerung eines Sozialisten allen Sozialisten übel anzukreiden. Aber wenn die Sozialdemokraten dann wieder einmal so tun, wie wenn sie vollkommen frei von diesem Antisemitismus wären, dann soll man solche Vorgänge nicht vergessen haben und-dann soll man wissen: eine warme Verteidigung, einen zuverlässigen Schutz finden die Juden bei den Sozialdemokraten ganz und garnicht. Nur die negative Seite ihres Programms ist für uns wertvoll, allerdings außerordentlich wertvoll.

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