Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Der Centralverein und die politischen Wahlen
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 630 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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630 Am deutschen Reich. für diese Art von Geschäften haben". Sie fahrt weiter fort, das liege nur an der gegebenen Wirtschaftsordnung und sie fügt weiter mit vollem Rechte hinzu: Wenn heute die Juden au?getrieben würden, dann würden andere Ausbeuter an deren Stellerreten, die zum Teil noch raffinierter als die Juden das Ausbeurungswerk ausübten. (Sehr richtig!) Ich bin aber noch nicht zu Ende. Der Artikel sagt nun nicht etwa: „Also ist der Antisemitismus bedauerlich und verfehlt", und „wir sind keine Antisemiten", sondern er fährt weiter fort: „Die gefährlichsten Antisemiten sind die Sozialisten, obgleich sie von den bornierten Antisemiten als an die Juden verkauft denunziert werden. Stellt Rothschild oder Bleichröder vor die Wahl, einen Liebermann von Sonnenberg oder einen Sozialisten zu wählen und er wählt den Antisemiten." (Pfui!) Diese Darstellung hat auf mich nicht den Eindruck gemacht, wie wenn die Sozialdemokraten an dieser Stelle das Volk darüber belehren wollten, daß dem Antisemitismus ein sittlicher Defekt anhafte, sie hat auf mich den Eindruck gemacht, wie wenn sie sagen wollten, die Antisemiten haben ganz recht, aus die Juden böse zu sein, aber gefährlicher den Juden sind wir Sozialdemokraten, — und wir schütteln es von uns ab, wenn die Antisemiten sagen, daß wir an die Juden verkauft seien. (Sehr gut!) Meine Damen und Herren, es wäre möglich, daß ich diese Worte falsch verstanden habe; aber, wie fährt nun wörtlich dieser Artikel fort? Wörtlich schließt er folgendermaßen: „Auf der anderen Seite gebiete: die Gerechtigkeit, hervorzuheben, daß die Jaden eine große Zahl von Männern gestellt haben und noch stellen, die als Leuchten der Wissenschaft, als Kämpfer für die Wohlfahrt :c. das Hervorragendste leisteten. Wenn nach den vorgegangenen Sätzen mit den Worten fortgefahren wird: „auf der anderen Seite verlangt es die Gerechtigkeit^, etwas anzuerkennen, so ist doch damit ganz klar zum Ausdruck gebracht, daß meine Auffassung die richtige war, die in allen den vorangegangenen Sätzen nichts Gutes sieht, sondern nur die eine Seite sieht, bei der die Juden getadelt werden. (Sehr richtig!) Nichtsdestoweniger — ich will das einschalten, damit niemand unter Ihnen aus den Gedanken kommt, ich treibe Parteipolitik, damit Sie erkennen, daß ich lediglich vvm Standpunkt des Juden und des deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens spreche, und daß es mir vollkommen fern liegt, irgend eine einzelne Partei zu bevorzugen — füge ich hinzu: trotz dieser bedauerlichen Darstellung im sozialdemokratischen Handbuch ist es für mich nicht zweifelhaft, daß ein Sozialdemokrat, wie ich vorausgeschickt habe, sich immer wieder jedem