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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 629

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
629 (sequence 11)
Language
German
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Der Central-Verein und die politischen Wahlen. 629 es — dahin, daß es der Tatsache gilt, daß es eine sehr stattliche Zahl von Männern in Deutschland gibt, für die es unmöglich ist, unsere Rechte beschränken zu wollen. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren! Auf der anderen Seite werden wir aber auch näher prüfen und fragen müssen: Was haben wir von den Sozialdemokraten Positives zu erwarten? Was ich gesagt habe, war die negative Seite, ich sagte, die Sozialdemokraten werden nie einem beschränkenden Gesetze zustimmen. Nach der positiven Seite muß ich mein günstiges Urteil etwas abschwächen. Es wird allen Juden ausgefallen sein, daß bei den verschiedenen Judendebatten, die hie und da im Parlament nötig werden, die Sozialdemokratie sich verhältniswenig wenig beteiligt hat. (Sehr richtig!) Ich kann nicht behaupten, daß ich darin ein Staatsverbrechen sehe. Davon kann keine Rede sein. Bitte, betrachten Sie nun aber weiter einmal die offiziellen Schriften der Sozialdemokraten, betrachten Sie das „Handbuch für sozialdemokratische Wähler", in der letzten wie in der vorletzten Auflage — beide habe ich nach der Richtung hin geprüft —: sehen Sie einmal nach, in welcher Weise sich dort die offizielle Sozialdemokratie für das Judentum erwärmt, dann werden Sie finden, daß die Wärme unter Null steht, und ich will das gleich beweisen und Ihnen mitteilen. Die Sozialdemokratie behandelt die einzelnen Parteien in einem längeren Kapitel. Sie bespricht die Konservativen, — die Deutschkonservativen, — die Freikonservativen, — das Zentrum bis in das kleinste Detail, sie tadelt überall, was sie irgend -zu tadeln findet, wir aber finden, meine Damen und Herreu, dort nicht ein Wort, mit dem die Sozialdemokratie den Antisemitismus, den programmmäßigen Antisemitismus der konservativen Partei verurteilt. (Hört, Hört!) Bei dem Kapitel über die Antisemiten mußte ja doch die sozialdemokratische Partei auch Stellung zur Judenfrage nehmen, und es ist charakteristisch, wie sie dazu Stellung nimmt. Ich sage nicht znviel, wenn ich dafür den Ausdruck gebrauche „kühl bis ans Herz hinan". Ich will Ihnen gleich mitteilen, wie sie sich damit abfindet. Sie 'spricht kein Wort der Entrüstung über das sittliche Niveau des Antisemitismus, nicht ein Wort der Entrüstung über die Ungerechtigkeit der Antisemiten, sie begnügt sich damit zu erklären, daß die Antisemiten doch sehr inkonsequent seien, denn während sie die Juden bekämpfen, halte dies einzelne von ihnen doch nicht ab, während der Reichstagssesfion sich in den Dienst jüdifcher Journalisten zu stellen. Sie fährt fort: — und ich bitte diesen Satz auch zu beachten — sie sagt wörtlich: „Die Praeponderanz der Juden als Geld- und Handelsmacht Wurzel! nicht in ihrer Rasseneigenschaft, obgleich sie unleugbar meist ein großes Talent

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