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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 625

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
625 (sequence 7)
Language
German
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Der Central-Verein und die politischen Wahlen. 625 die Gesinnung und das zeigt die Frömmigkeit und das zeigt die Heuchelei derjenigen, die sich zum Antisemitismus bekennen. Die nächststehende Partei, die Freikonservativen sind in der Judenfrage von den Deutschkonservativen wohl zu unterscheiden. Dieses Handbuch, von dem ich sprach, das von beiden Parteien heransgegeben ist, bringt ausdrücklich bezüglich der Freikonservativen die Erklärung, daß die Freikonservativen sich gegen jede gesetzliche Maßnahme zum Nachteile der Juden erklären, daß sie es ablehnen, in ihr Programm den Wunsch nach gesetzgeberischen Maßnahmen zur Einschränkung der Rechte der Juden aufzunehmen. Die Freikonservativen stehen nach diesem Handbuch auf dem Standpunkt, daß die Emanzipation, die Gleichstellung der Juden mit den christlichen Mitbürgern von selbst dazu führen wird, daß die Juden sich immer mehr dem deutschen Wesen, dem deutschen Charakter assimilieren, und daß dementsprechend die Klagen, die etwa gegenwärtig gegen die Juden noch berechtigt seien, im Laufe der Zeit vergehen und verschwinden würden. Meine Damen und Herren, Sie sehen, das ist ein Standpunkt, mit dem wir wohl verhandeln können; aber andererseits dürfen wir nicht übersehen, daß das die Theorie ist, von der die Praxis mannigfach abweicht. Es ist deshalb unbedingt nötig, daß trotz des negativen Inhalts dieses Programms jeder einzelne Freikonservative von uns genau nach seiner Persönlichkeit geprüft wird, ob er antisemitische Gesinnungen hegt oder ob er ihnen abhold ist. Es gibt dazu ein sehr gutes Mittel. In jedem Wahlkampfe ist man ja in der Lage, in die Versammlungen zu gehen und dort direkt die Frage an den betreffenden Herrn zu richten. Weicht der Herr mit feiner Antwort aus, dann genügt uns das, denn nur derjenige weicht aus, der sich schämt, die Wahrheit zu bekennen. (Sehr wahr!) Wir haben aber auch, weil es immerhin mitunter einmal unangenehm und mißlich fein kann, besonders in kleinen Orten, hervorzutreten als einzelner und dem Kandidaten gegenüberzutreten, im Centralverein die Sitre eingeführt, die wir auch weiterhin fortsetzen werden, direkt schriftlich von hier aus an alle diejenigen Kandidaten, deren Standpunkt uns zweifelhaft erscheint, die Frage zu richten: „Wie stellt Ihr Euch gegenüber etwaigen beschränkenden Gesetzesvorlagen?" Wir fügen dann den Entwurf einer Erklärung bei, um es den Herren leicht zu machen, in der es heißt: „Ich versichere, daß ich gegen jede Gesetzesvorlage stimmen würde, die darauf abzielt, die Rechte der jüdischen Mitbürger zu schmälern oder gar zu beseitigen." Wenn ein Kandidat diese Frage befriedigend für uns beantwortet, dann liegt für uns gar kein Anlaß

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