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Im deutschen Reich · 1903-11-01 · Heft 11 (November 1903) · p. 622

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 11 (November 1903)
Article
Der Centralverein und die politischen Wahlen
Date
1903-11-01
Page
622 (sequence 4)
Language
German
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622 Im deutschen Reich. schast als Ziel ins Auge fassen, und daß wir den Nutzen des deutschen Vaterlandes dort unbeachtet lassen, wo etwa ein Konflikt zwischen diesen beiden bestehen könnte. Es verdächtigt uns die „Staatsbürger- Zeitung", daß wir über alles unsere persönlichen kleinlichen Vorteile setzten, und daß es uns darauf nicht ankommt, allenthalben das deutsche Vaterland zu vergessen, ja zu verraten! Nun, wenn die „Staatsbürger-Zeitung" uns tadelt, so könnte man schlechthin vielleicht von vornherein sagen, daß wir da doch wohl auf dem richtigen Wege sein müssen. (Sehr richtig!) Im allgemeinem meine Herren, kann man sagen: wenn ein Gegner uns tadelt, dann wird das für uns eine Richtschnur abgeben können. Leider ist das bei der „Staatsbürger-Zeitung" auch noch rucht einmal der Fall. (Heiterkeit.) Die „Staatsbürger-Zeitung" ist eine so kurzsichtige, eine so blinde Gegnerin, daß sie über alles, was wir tun, schimpft und Zetert ohne jede Prüfung, ob das, was wir tun, klug oder unklug ist. Wir werden deshalb sagen müssen: „Aus dem Tadel der „Staatsbürger- Zeitung" können wir nichts lernen. Rur verständige Kritik verständiger Gegner ist belehrend, die der „Staatsbürger-Zeitung" völlig wertlos und unbeachtlich. Indessen, auch andere Zeitungen haben sich mit uns beschäftigt, so eine hier in Berlin erscheinende. Ich möchte den Namen dieser Zeitung deshalb nicht nennen, weil ich nicht mich, vor allen Dingen aber auch nicht unfern Verein in den Verdacht bringen will, daß es ihm darauf ankäme, eine bestimmte Zeitung, mit einem bestimmten Kopf, irgendwie zu diskreditieren; ich will den Schein vermeiden, wie wenn es sich um Personenkämpfe handelte, und will deshalb lediglich von den Tatsachen sprechen, die in dieser Zeitung berichtet werden. Diese Zeitung brachte einen Artikel, in welchem sie sich für die Sozialdemokraten deshalb insbesondere begeisterte, well die Sozialdemokratie die einzige Partei wäre, die es wage, jüdische Kandidaten dem deutschen Volke zu präsentieren. Wie das bei den Antisemiten nichts Seltenes ist, wurde uns auch dieser Artikel einfach als der Standpunkt der Gesamtheit zur Last geschrieben. Daß es sich um die Preßstimme eines einzelnen Organs handelte, wurde ganz übersehen, und es wurde ganz einfach gesagt: „die Berliner Juden, oder die deutschen Juden stehen auf diesem Standpunkt". Dieser Standpunkt ist ohne Zweifel falsch und ohne Zweifel bedauerlich. Mit Recht hat die „Vossische Zeitung", ein Blatt, dem Antisemitismus vorzuwersen wir wahrlich keinen Grund haben, entgegen dieser Zeitungsstimme erklärt, daß das derselbe Fehler, derselbe falsche Weg sei, den die Antisemiten gehen. Jemanden deshalb nicht zu wählen, weil er

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