Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Der Centralverein und die politischen Wahlen
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 621 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Central-Verein und die politischen Wahlen. 621 lcrndes betrachten, daß wir in ihnen sehen Störer des Friedens, Personen, oder richtiger gesagt, eine Partei, die das Zusammenarbeiten in Handel und Wandel verhindert, die schließlich auch die Autorität der Gesetze, des Rechtes und auch des Thrones untergräbt. (Sehr wahr!) Von diesem Gesichtspunkte aus, meine Herren, nicht von einem rein einseitig jüdischen Standpunkte aus, sind wir zu dem wohlüberlegten Ergebnis gekommen, immer gegen den Antisemiten einzutreten ohne daß wir irgend eine Ausnahme gelten lassen (Bravo!) Meine Herren, als die Hauptwahlen zum Reichstage vorüber waren, als die Stichwahlen in Sicht kamen, haben wir uns mit Flugblättern an unsere Mitglieder gewandt, und darüber hinaus an alle Juden und an alle gerecht fühlenden christlichen Mitbürger mit der Aufforderung, gegen den Antisemiten bei der Stichwahl zu stimmen. Wir haben insbesondere unseren Mitgliedern ans Herz gelegt, dies zu tun, obwohl es freilich Vorkommen könne, daß der Gegenkandidat des Antisemiten uns auch sehr wenig sympathisch ist; je nach der politischen Stellung des einzelnen Mitgliedes unseres Vereins könnte es ihm schwer, oder noch schwerer fallen, für den Gegenkandidaten einzutreten. Wir haben aber zu bedenken gegeben, daß, wie die Dinge gegenwärtig liegen, in jedem Falle der Antisemit als das größere Nebel zu betrachten ist, nicht nur vom Standpunkt des Juden, sondern vor allen Dingen vom Standpunkt des deutschen Staatsbürgers. (Sehrwahr! und Bravo!) Wir haben auch die Freude gehabt, zu beobachten, daß überall dort, wo unser Verein hinreichend ausgebreitet ist, eine genügend große Zahl von Mitgliedern hat, unsere Parole befolgt wurde, eine Parole, die wir nicht geheim abgegeben haben, wie es die „Staatsbürger- Zeitung" gern darstellen möchte, die wir auch nicht als Gebot in dem Sinne abgegeben haben, daß wir blinden Gehorsam fordern, wie es auch in der „Staatsbürger-Zeitung" geschmackvoll dargestellt wird, sondern als eine Klarlegung unseres Standpunktes in der Neberzeugung, daß unser Standpunkt von selbst, ohne jeden Druck — denn wir verfügen ja nicht über solche Mittel — von allen Mitgliedern unseres Vereines geteilt wird, nicht deshalb, weil wir es empfehlen, sondern weil es von allen Mitgliedern als das einzig Richtige und Wahre anerkannt wird. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren! Diese Maßnahmen haben, wie ich schon sagte, zu einer Besprechung in.der Presse geführt. Ich habe o!e „Staatsbürger-Zeitung" angezogen. Ich darf daran erinnern, daß üc uns eine „Geheim-Regierung" genannt hat, daß sie vor allen Dingen uns den Vorwurf macht, daß wir lediglich den Nutzen der Juden-