Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 11 (November 1903)
- Article
- Der Centralverein und die politischen Wahlen
- Date
- 1903-11-01
- Page
- 620 (sequence 2)
- Language
- German
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620 Im deutschen^ Reich. Obwohl in verschiedenen Teilen des Vaterlandes Mitglieder des Vorstandes wohnen, hat es derselbe doch für notwendig gehalten, eine besondere DelegierLenversammlung einzuberufen, die ganz Deutschland Gelegenheit gab, aller Meinungen bei uns zum Ausdruck Zu bringen. Diese Delegiertenversammlung fand einen Tag vor dem zehnjährigen SLiftungsfest unseres Vereins hier in Berlin statt, und sie hat zu einem einstimmigen Ergebnisse nach folgender Richtung geführt: Wir haben erstens den Grundsatz aufgestellt, daß wir von unseren Vertrauensmännern und von unseren Mitgliedern erwarten, daß sie uns über den Stand der Wahlagitation, über die Frage, welche Kandidaten dort von den verschiedenen Parteien ausgestellt sind, fortlaufend Bericht erstatten. Wir haben weiter als Grundsatz ausgestellt, daß wir glauben, von unseren Mitgliedern erwarten Zu sollen, daß sie diejenigen Preßorgane, die es sich angelegen lein lassen, den Antisemitismus Zu bekämpfen, unterstützen. Wir haben uns selbstverständlich davon ferngehalten, irgendwie die Preise einer bestimmten polnischen Partei oder die Organisationen einer solchen zu bezeichnen. Das überlassen wir vollkommen unseren Mitgliedern, da wir wissen, daß unsere Mitglieder den verschiedensten Parteien angehören, und da uns lediglich das eine Interesse leitet, alle darin einig Zu sehen, daß sie den Antisemitismus bekämpfen, in welcher Gestalt er ihnen auch immer entgegentritt. Meine Herren, wir haben weiter den Satz ausgestellt — und das wird nun der wichtigste Satz werden, — daß wir Zu den Wahlen unmittelbar Stellung nehmen, und Zwar daß wir überall, wo ein Antisemit aufgestellt ist, den Gegenkandidaten des Antisemiten, und Zwar denjenigen, der die meisten Aussichten hat, den Antisemiten zu schlagen, unterstützen. Wie wir ihn zu unterstützen haben, das hängt von dem einzelnen Falle ab; die Haupsache bleibt aber der Grundsatz daß wir in allen Fällen, unter allen Umständen, ohne jegliche Ausnahme gegen den Antisemiten auftreten. Nun, meine Damen und Herren, entsprechend diesem Beschlüsse des Delegiertentages hat der Vorstand damals in unserer Vereinszeüschrift einen Artikel gebracht, betitelt: „Ueber die bevorstehende Reichotagswahl", in dem diese Grundsätze dargelegt wurden, in dem auch ausgeführt wurde, ^weshalb wir unter allen Umständen gegen den Antisemiten zu stimmen haben. Es sind schon damals in diesem Artikel für diese Stellungnahme nicht etwa nur angegeben worden einseitige Rücksichten auf das Judentum ausschließlich als Grund angegeben worden, sondern schon damals wurde der weiter gehende Gesichtspunkt sestgehalten, daß wir die Antisemiten als Feinde des Vater-