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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 586

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Berlin
Date
1903-10-01
Page
586 (sequence 5)
Language
German
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586 Im deutschen Reich. des Deutschen Volksbundes" Mitte vorigen Monats fast hundert Männer der Bundeshochgrade dem schwergekränkten geschäftssührenden Großmeister einstimmig ihr Vertrauen bekundet und unter Danksagungen Entlastung erteilt hätten. Dem aus seinem Amte geschiedenen zweiten Großmeister Regierungsrat Dt. Schadwill sei ein Ehrenschild gewidmet und die Ehrenmitgliedschaft zuerkannt worden und der „Warenhausgegner" Gustav Sepke in Stettin an seiner Stelle zum Großmeister ernannt worden. Wie verlautet, hat der frühere antisemitische Reichstags-Abgeordnete Dr. Böckel aus Aerger über die Zersplitterung in der antisemitischen Bewegung und infolge körperlicher Aufreibung durch den jahrzehntelangen Kampf, sich vollständig aus dem politischen Leben zurückgezogen. Das Blatt des Herrn Wilhelm Bruhn bezweifelt, daß Dy. Böckel diesen Grund für seinen Rücktritt angegeben habe, und fügt mit der ihm eigentümlichen Liebenswürdigkeit hinzu.- „Wir müssen seststellen, daß zu vr. Böckels Zeiten allerdings beständig Reibungen unter den Antisemiten herrschten. Gott sei Dank ist das jetzt besser geworden, was vr. Böckel freilich nicht wiffen kann, da er schon seit längerer Zeit keinen Einblick in die antisemitische Bewegung hat." Wegen Beschimpfung der jüdischen Religion hatten sich am 16. September der Schriftsteller Paul Koch und der Rechtsanwalt Ed. Jüngst vor der Z. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. In der von Koch verfaßten Broschüre „Der Ritualmord, eine Forderung des alten Testaments" wird der Nachweis versucht, daß auch die heutigen Juden den Ritualmord noch als Gebot ihrer Religion anerkennen müssen. Eine Anzahl Exemplare der Broschüre war von der Geschäftsstelle der „Deutschen Hachwacht, Ges. m. b. H." verbreitet worden. Der Geschäftsführer der Deutschen Hochwacht, der Angeklagte Rechtsanwalt Jüngst, hatte bei seinen ersten Vernehmungen zugegeben, daß er für die Verbreitung der seinen eigenen Anschauungen durchaus entsprechenden Broschüre durch die Deutsche Hochwacht verantwortlich sei. Im Termine erklärte er, er habe sich inzwischen überzeugt, daß er diese Verantwortlichkeit zu Unrecht übernommen habe, denn es sei festgestellt, daß er zu der fraglichen Zeit gar nicht in Berlin, sondern längere Zeit auf Reisen war. — Vor Eintritt in die Verhandlung stellte Koch einen Antrag auf Ablehnung des gesamten Gerichtshofes und Vernehmung der fünf Richter darüber, ob von irgend einer Seite der Versuch gemacht worden ist, „auf sie einzuwirken". Er begründete dies damit, daß die Regierung jetzt Ab-

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