Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-10-01
- Page
- 580 (sequence 8)
- Language
- German
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580 Fm deutschen Reich. zur Rückkehr in die Klassen rief." Emst der Sohn des Felljuden, heute allerlei Großjuden. Was ein Häkchen werden will, krümmt sich schon beizeiten. Aber die Welt ist voller Widerspruch. Aus Wien, wo der Kaiser soeben einen Besuch machte, wird etwa gleichzeitig gemeldet: „Wie Nachträglich bekannt wird, hat der Kaiser in Wien auch den Schriftsteller Houston Steward Chambe rlain empfangen." Schon mehrfach hat der Kaiser Unterredungen mit dembekanntenjudengegnerischen Rassenschriftsteller gesucht. Ringt er mit einer Meinungsänderung oder hat er an dem Judengegner CH. — Bekehrungsversuche unternommen?"... Die Erwähnung des huldvollen Empfangs eines entschieden judenfeindlichen Schriftstellers von der Bedeutung Chamberlains be- Weist nicht nur hinreichend, wie grundlos der Vorwurf einer Begünstigung eines kaiserlichen Jugendfreundes jüdischen Bekenntnisses ist, und wie wenig die Juden Grund haben, infolge irgend einer Auszeichnung eines Glaubensgenossen sich überschwänglichen Hoffnungen hinzugeben. Nicht als Schutzjuden, sondern als deutsche Staatsbürger hoffen wir auf den endlichen Sieg der Gerechtigkeit gegen eine vorwurfsfreie Bevölkerungsminderheit; an dem Kaiserwort „Recht muß Recht bleiben"' läßt sich nicht deuteln. Wir erstreben keine Vorrechte, keine Begünstigung, aber wir wollen auch mitraten, wo wir mittaten, vor allem aber den Anspruch geltend machen, daß auch dem deutschen Juden gegenüber Pflichten und Rechte gleichmäßig abgewogen werden. Deutsche sind wir und Deutsche bleiben wir, auch wenn gewissen künstlich erzeugten Strömungen im Volksleben zu Liebe auch ferner im Verwaltungswege das eingeschränkt werden sollte, was uns als gleichberechtigte Bürger durch Verfassung und Gesetz feierlich zugestanden worden ist. Wenn sich deutsche Juden enger als sonst aneinander schließen und selbst bei Sportangelegenheiten neuerdings dort, wo sie bei Fortsetzung der früher gemeinsamen Uebungen mit Andersgläubigen verletzt zu werden fürchten, sich absondern, ist dies noch kein Beweis für Mangel an deutsch-nationaler Gesinnung. Begreiflich wird solche Absonderung, wenn man in dem Hamburger Antisemitenblatt bei Besprechung der Judenfrage liest: „Die Schachernatur des Juden ist eben zur Teilnahme an edler Geselligkeit nicht geschaffen und sein Zusammengehörigkeitsgefühl dem der Wölfe vergleichbar, die sich auch in Rudel zusammentun, um ihre Opfer zu überfallen. Kameradschaftlichkeit, Brüderlichkeit und Begeisterung für alles Schöne und Edle läßt sich in einer Judenseele nicht erwecken. Diese somit wohlbegründete Gepflogenheit der studentischen Kreise ist der jüdischen Oberschicht von jeher ein Dorn im Auge gewesen. Doch