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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 579

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-10-01
Page
579 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Arnschem. 579 überwunden hat, sondern im Interesse des Deutschtums, welches durch die antisemitischen Wühlereien zu Gruude gerichtet werden kann. Während die deutschen Juden mit vollständiger Entrechtung bedroht werden, stellen jene Gegner die Sache auf den Kopf und sagen: „Die Regierung steht vor der Frage, ob sie mit dem deutschen Volke oder mit dem Judentum gehen will. Don der Regierung ist leider auch für die nächste Zukunft die Führerschaft bei den bevorstehenden politischen Kämpfen um die erwähnten. Fragen nicht zu erwarten; das Volk muß die Regierung führen." Das ist immer der antisemitischen Weisheit letzter Schluß: „Und der König absolut, wenn er uns den Willen tut'" Wir sind die letzten, welche dem absoluten, persönlichen Regiment den Vorzug geben und sich im Byzantinismus wohl fühlen. Wenn aber dieselben Leute, welche die Juden 'als das zersetzende Element im deutschen Volksleben, sich aber selbst als „berufene Führer der Regierung" darzustellen wagen, von Zeit zu Zeit vergiftete Pfeile bis an die höchste Stelle schleudern, um ihren Männerstolz vor Königsthronen bewundern zu lassen, dann reißen wir ihnen die loyale Maske vom Gesicht und sagen: „So sehen die vermeintlichen Stützen von Thron und Altar in Wahrheit aus!" Selbst das Hamburger „Deutsche Blatt", welches die deutsch-soziale Richtung der Herren Liebermann von.Sonnenberg und Amtsrichter Lattmann vertritt und als Organ der Herren Raab und Schack die Weisheitsquelle des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes darstellt, vergißt seine monarchische Gesinnung, wenn einem Juden irgendwelche Gunst widerfährt. Es schreibt am 23. September mit unverkennbarem Hohn: Was ein Häkchen . . . Ein ehemaliger Schulkamerad Kaiser Wilhelm d. 2., Ernst Temme, veröffentlicht im Sonntagsblatt der „N.-A Staatszeitung" Erinnerungen aus seiner Schulzeit auf dem Lyceum Fridericianum zu Kassel. Er sagt darin: „Der Wunsch des Kronprinzen, daß sein Sohn genau so behandelt werde, wie die übrigen Schüler, wurde streng befolgt, und jede Förmlichkeit der Anrede usw. war ausgeschlossen. Unter den Schülern der Oberklassen befanden sich viele Söhne von Adeligen. Die Vermutung, daß der Prinz sich diese zu näherem Umgang während der „großen Pause" wählen werde, erwies sich als irrig. Anstatt die Pause mit jeneu zu verbringen, suchte sich Prinz Wilhelm den Sohn eines jüdischen Fellhändlers aus der Kreisstadt Rotenburg, Siegfried Sommer, aus. Sommer war^ein kleiner Mensch, nichts weniger als schön, mit ausgesprochen jüdischem Gesicht, aber er war ein außergewöhnlich begabter Schüler. Mit ihm durchmaß der Prinz den Turnplatz in eifriger Unterhaltung, bis die Glocke des Schuldieners

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