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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 570

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Christentum und Antisemitismus
Date
1903-10-01
Page
570 (sequence 4)
Language
German
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570 Hm Deutschen Reich. Wenig am Platz sind, wie die in Ihrem werten Schreiben vom 17. dieses Monats. Ihr Schreiben am 17. d. Mts. mit Ihrem früheren Briefen an mich in Einklang zu bringen, würde gewiß kein Mensch imstande sein. Ich bin mir Ihnen gegenüber keiner Schuld bewußt und verstehe nicht, wie Sie dazu kommen dürfen, mir zu schreiben, daß Sie mir alle Kränkungen verzeihen. Man schreibt doch Jemandem, der einem Kränkungen und zwar viele, wie das Wort „alle" vor Kränkungen besagt, Zugefügt hat, nicht Briefe solchen Inhalts, wie Sie seit drei Jahren an mich geschrieben haben und von denen Sie vielleicht auch Kopieen besitzen. Es Lut mir wehe, daran zu denken, daß das Leid, welches Sie so plötzlich getrosten, Sie nur verbittert hat, statt Sie milder Zu stimmen und daß Sie sich von Ihrem schnell aufbrausenden Zorn verleiten lasten, Wege zu beschreiten, die nicht in Licht und Liebe, sondern in Finsternis und Haß auslausen. Leben Sie wohl! Gott gebe, daß unsere Wege, hier geschieden, doch noch ein Mal dort oben Zusammenkommen in heiliger und seliger Freude! Auch ich gestatte Ihnen, von dem Inhalt dieses.Schreibens beliebigen Gebrauch zu machen und behalte mir meinerseits als mein Recht vor, empfangene Beleidigungen zu vergeben und zu vergessen, wie ich schon einmal getan habe. Mit Achtung W. L. Berlin, :u. Juli 190;!. Herrn Pastor W. L. in N. Ihr Schreiben vom 20. Juli wollte ich anfänglich nicht beant Worten, nach reiferer Ueberlegung erscheint mir aber eine Antwort darauf schon darum geraten, daß mein Stillschweigen nicht etwa von Ihnen resp. Ihren Gesinnungsgenossen falsch ausgelegt werde. Wenn Sie meine Vorwürfe als ungerecht bezeichnen, und es ablehnen, darauf zu antworten, so schaffen Sie mit dieser oberflächlichen Redensart doch Ihr unpassendes Benehmen in meinem Hause, Ihre Verletzung des Gastrechtes und die mir zugefügten Kränkungen nicht aus der Welt, da ja unantastbare Zeugen Ihrer unverantwortlichen Handlungsweise vorhanden sind! Auf meine Vorhaltungen über Ihre gehässigen antisemitischen Schimpfereien, welche so sehr im Gegensatz zu Ihrem Amte und Beruf stehen, schweigen Sie ganz! Jedenfalls wohl, weil es Ihnen

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