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Im deutschen Reich · 1903-10-01 · Heft 10 (Oktober 1903) · p. 569

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 10 (Oktober 1903)
Article
Christentum und Antisemitismus
Date
1903-10-01
Page
569 (sequence 3)
Language
German
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Christentum und Antisemismus- 569 predigen gegen die Juden, nur weil sie Juden und nicht Alle engelrein stnd? Selbst aber, wenn einzelne Juden Sie schwer beleidigt, geschädigt oder gar Sie tätlich angegriffen und geschlagen hätten, mußten Sie nicht, als Diener am Worte Gottes, Christi Beispiel vor Augen und im Herzen haben, der noch am Kreuze für seine Feinde und Peiniger gebeten hat? Nein, Herr Pastor! Ihr Judenhaß stimmte schlecht zu Ihrem Amte, und traurig mutet es mich an, Sie als Gesinnungsgenossen eines Stöcker, Ahlwardt und Pückler erkannt zu haben! Ich wiederhole Ihnen, was ich Ihnen an jenem Mittage als einzige Erwiderung auf Ihre Schimpfereien erklärte, daß ich z. B. Herrn Dr. Jastrow, über den Sie sich ganz besonders ereiferten, viel höher stelle und achte als Ihren Freund, den teuren Gottesmann, den sogenannten zweiten Luther; dem Herrn I)r. Jastrow hat noch niemand einen fahrlässigen Ei) oder einen Scheiterhaufenbries vorgeworfen, und daß er seine politische Ueberzeugung offen und frei bekennt und dafür wirkt, daraus kann und darf ihm ein anständig denkender Mann, auch wenn er sein politischer Gegner ist, nimmermehr einen Vorwurf machen. Doch genug damit! Die Verehrung, die ich früher für Sie hegte, ist geschwunden, unsere Wege sind geschieden. Alle Kränkungen, welche Sie mir — auch noch in anderer, von mir hier nicht erwähnter Weise — in meinem Hause als mein Gast absichtlich oder unsichtlich zugefügt, verzeihe ich Ihnen, und wünsche ihnen von Herzen, daß es Ihnen gelingen möge, sich bald aus den Banden des Antisemitismus frei zu machen, den unser unvergeßlicher Kaiser Friedrich mit Recht eine Schmach genannt hat. Ich gestatte Ihnen, von dem Inhalte dieses Briefes beliebigen Gebrauch Zu machen, und behalte mir meinerseits als mein Recht vor, demselben die weitgehendste Verbreitung zu geben. Mit Achtung, R. L. Bad W., den 20. Juli 1903. Herrn Direktor R. L., Berlin. Auf ungerechte Vorwürfe zu antworten, halte ich nicht für angezeigt. Insinuationen, wie „Rache nehmen", weise ich einfach als ungehörig zurück. Belebrungcn acceptiere ich stets dankbar, selbst wenn. sie so

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