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Im deutschen Reich · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. 541

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-09-01
Page
541 (sequence 13)
Language
German
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Umschau. 541 In diesem Falle wie in manchem andern wird man bezüglich der Stellung zum Antisemitismus zwischen den Kandidaten kaum einen Unterschied herausfinden können. Daß der „Bund der Landwirte" und die Konservativen sich jetzt überall schwer zusammenfinden, könnte aber dazu beitragen, liberale Kandidaturen aussichtsvoll zu gestalten. Die Stimmung unter den Agrariern ist offenbar eine sehr gereizte. Einem Oberamtmann, der seinen Austritt aus dem Bunde der Landwirte damit begründete, daß „der Bund höheren Orts nicht gern gesehen würde", erteilte das Korrespondenz-Organ „Der Bund der Landwirte" folgende Quittung: „Dem Bunde kann nur gratuliert werden, wenn er solche pflaumenweichen Mitglieder los wird." Auf die Heeresfolge der radikalen Antisemiten kann der Bund auch nicht mit Bestimmtheit rechnen, weil sie, durch die Erfahrungen bei den Reichstagswahlen gewarnt, von dem weitern Zufammengehen mit den Agrariern neue Niederlagen befürchten, sich selbst fester organisieren und auf eigene Hand nicht pflaumenweich, sondern recht oppositionell wirken wollen. Deshalb haben die Erfurter Ortsgruppe des „Deutschen Volksbundes" und der Erfurter Reformverein beschlossen, in den „Deutschen Antisemitenbund" einzutreten. Eine Anzahl bisheriger Mitglieder des „Volksbundes", die zunächst nur dem Beschlüsse, durch den die Ortsgruppe des Deutschen Volksbundes aufgelöst und der Austritt aus demselben vollzogen wurde, zugestimmt hatte, aber noch nicht in den D. A. B. eingetreten war, gab die abwartende Stellung auf und trat geschlossen in den D. A. B. ein, nachdem Wilhelm Bruhn in einem in einer Erfurter Versammlung am 27. August gehaltenen Vortrage die Notwendigkeit geeinten Vorgehens bei den Landtagswahlen dargelegt hatte. Diese Verschmelzung ist offenbar durch einen vorausgegangenen, noch nicht völlig aufgeklärten Konflikt beschleunigt worden, in den die Erfurter Mitglieder des „Deutschen Dolksbundes" mit Herrn Hans von Mosch geraten sind, da die am 10. August in Erfurt zahlreich versammelten dortigen Mitglieder des „Volksbundes" in einer im Wortlaut veröffentlichten Resolution erklärten, daß sie „in dem Verhalten ihres bisherigen Großmeisters Herrn von Mosch-Friedenau über die Art seiner Agitation für das Bundesblatt „Deutsche Hochwacht" und den „Deutschen Dolksbund", sowie seiner Handlungsweise gegen den Bundesbruder Vogt eine gröbliche Verletzung seiner Pflichten als Großmeister erblicken". Man wird sich kaum der Wahrnehmung verschließen können, daß der Klassen- und Rassenhaß der Antisemiten der eigentliche

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