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Im deutschen Reich · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. 540

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-09-01
Page
540 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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540 Im deutschen Reich. aus religiösen Beweggründen aufrecht erhält, wird die Sonne früher oder später die Wahrheit an den Tag bringen. Wo bei Wahlfeldzügen -die Ritualmord - Geschichten und andere Requisiten aus dem Antisemiten-Arsenal als Agitationsmittel ungeeignet erscheinen, findet neuerdings ein anderes Mittel Anwendung, über welches eine in der „Antis. Korresp." veröffentlichte Auslassung des kürzlich zum Reichstagsabgeordneten für den Kreis Kassel-Melsungen gewählten Amtsrichters Lattmann Licht verbreitet hat. Derselbe schrieb: „Viel nutzte mir auch, daß ich meinen Antisemitismus zwar nie verleugnete, aber alles vermied, was irgendwie nach der leider noch immer wieder hier und da betriebenen Judenhetze aussah." Mit Rücksicht auf die bevorstehenden Landtagswahlen entfalten die Antisemiten bereits jetzt eine sehr rege Tätigkeit, und ihre Kandidaten werden wohl wieder bei Kennzeichnung ihrer Stellung zur Judenfrage je nach den örtlichen Verhältnissen eine schärfere oder gemäßigtere Tonart anschlagen. Hoffentlich lassen sich die Wähler dadurch nicht irreführen. Herrn Stöcker's Aussichten auf ein Landtagsmandat scheinen keine besonders günstigen zu sein, da man im Kreise Schlüchtern-Gelnhausen auf seine ursprünglich geplante Aufstellung wieder verzichtet hat, weil dort wie auch anderwärts die Konservativen zur Unterstützung der christlich-sozialen Kandidatur Stöckers sehr geringe Lust bezeugen. Auch die Suche des Herrn Liebermann von Sonnenberg nach einem Landtagsmandat war bis jetzt nahezu vergeblich; ebenso dürfte sein Reichstagswahlkreis Homberg-Ziegenhain ihn bei den Landtagswahlen kaum für geeignet erachten, den bisherigen Vertreter des Kreises, Herrn von Baumbach, zu ersetzen, da in einer Vertrauensversammlung der dortigen Mitglieder des „Bundes der Landwirte" beschlossen wurde, es jedem Mitglied freizustellen, für einen der beiden Kandidaten einzutreten. Trotzdem Liebermann für seine dem Bunde der Landwirte geleisteten Vorspanndienste derartig mäßig belohnt wird, hat er sich neuerdings für den Bund wieder ins Zeug gelegt, indem er öffentlich die von der „Nationalliberalen Korrespondenz" bestrittene Behauptung ausstellte, daß auch ein Teil der Nationalliberalen sich mit den Forderungen des Bundes bezüglich der Handelsverträge einverstanden erklärt habe. Im Kieler Wahlkreis stellen die Nationalliberalen und Konservativen den Justizrat Thomsen als Gegenkandidaten des bisherigen Vertreters Br. Barth auf. In Eckernförde kandidiert der frühere Landrat des Kreises, v. Bülow-Rotkamp, den der „Bund der Landwirte" unterstützt. Im Schlochauer Kreise stellt der Bund seinen bei der Reichstagswahl unterlegenen Kandidaten, Hilgendorff-Platzig, dem konservativen Kandidaten Br. Gause aus Loosen entgegen.

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