Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 542 (sequence 14)
- Language
- German
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542 Im deutschen Reich. Erisapsel war, der in das politische Leben im neuerstandenen Kaiserreiche ganz ohne Not geschleudert worden ist und jene Zwietracht erzeugt hat, welche die friedliche Entwicklung der deutschen Verhältnisse hemmt und jene Zersplitterung zu erneuern droht, welche Jahrhunderte hindurch Deutschland zur politischen Ohnmacht verurteilte. Es klingt wie der bitterste Hohn, wenn die Antisemitenpreffe den freisinnigen Parteien Umsturzgelüste verwirft, während ihre eigene Partei fortwährend bestrebt ist, Umwälzungen dadurch herbeizuführen, daß sie die Nichtbesitzenden gegen die Besitzenden aufreizt, die Arbeiter gegen das die Arbeitsgelegenheit schaffende Kapital ausstachelt, die sonst so anspruchslosen und friedfertigen Handwerksmeister und kleinen Gewerbetreibenden zu einer unzufriedenen politischen Fronde zu einen sucht, während jene viel besser fortkommen würden, wenn sie sich mit dem durch die technischen Fortschritte begünstigten Großbetrieb auf guten Fuß stellen und ihren eignen Betrieb den Anforderungen der Neuzeit anpassen wollten. Unaufhaltsam schreitet in der Welt alles vorwärts; es gibt keinen Stillstand, denn das Wort „Alles fließt" enthält eine ewige Wahrheit. Ein beständiges ruhiges Fortschreiten bietet keine Gefahr, wohl aber führen die Versuche, den Fortschritt der Wissenschaft und der Kultur, der Aufklärung und der gesunden Rechtsbegriffe gewaltsam zu hemmen, das Rad der Zeit rückwärts zu drehen, zu gewaltsamen Erschütterungen. Das macht das Werk der Dunkelmänner so bedrohlich nicht nur für uns Juden, nicht nur für das große deutsche Vaterland, sondern für alle Kulturstaaten. Ueberall ist eine Partei, die grundsätzlich das gleiche Recht für alle verpönt, ein Unglück. Der Antisemitismus ist der Feind der Ordnung und Volkswohlfahrt! A. L. KsrrssMNdsryM. # Berlin, 15. September. Die „Staatsbürger-Ztg." berichtet: ,,Auf Beschwerden des Deutschnationalen Handlungsgehilsenverbandes hin, derauchden Minister deshalb interpellierte, hatte die Polizei Untersuchungen über das Strafgeldersystem bei einer Firma angestellt, insbesondere wurde das Fehlen des Strafgelder-Verzeichnisses und die Nichtbeachtung anderer gesetzlichen Bestimmungen bemängelt. Die Berliner Firma machte geltend, daß die fraglichen Bestimmungen auf den Betrieb nicht zutreffen, weil die Strafgelder nicht vom Gehalt,