Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 537 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 537 derartigen Inserats für die Zukunft verhinderte. Bedauerlich nur, daß eine derartige Ausschreibung überhaupt erfolgen konnte, da sie den Anschein erwecken wußte, als ob es bei der Anstellung der ärztlichen Kräfte an der Lungenheilstätte in Kolkwitz wehr auf das äußere Verhältnis der Bewerber zu einer der bestehenden christlichen Konfessionsgeweinschaften und ihren Dogmen als auf die medizinische Qualifikation der für die Anstalt zu engagierenden Aerzte ankäme." Die „Kreuz-Ztg." ist sogar durch den Antisemitismus dahin gelangt, selbst getauften Juden die Qualifikation für Anstellungen als Assistenzärzte in einer aus öffentlichen Mitteln unterhaltenen Lungenheilstätte abzufprechen. Sie schreibt: „Immer wieder die alte Verdrehung, daß die Juden ihres Glaubens wegen zurückgeseht würden, während doch lediglich die allerdings nichts weniger als angenehmen „Eigentümlichkeiten" ihrer Rasse es find, die so vielen Menschen eine unüberwindliche Abneigung gegen sie einflößen." Daß dieser „Raffe" die christlichen Apostel, viele christliche Geistliche, u. a. auch Bischof Reander und Paulus Cassel, ja sogar der erste Führer der konservativen Partei angehört haben, hindert die strengkirchlichgesinnte „Kreuz-Ztg." offenbar nicht, sich den Rasfefanatikern anzuschließen. Herr Dr. Kropatschek zieht als Nachfolger des Freiherrn von Hammerstein in der Redaktion der „Kreuz-Zeitg." mit dem Busenfreunde seines Vorgängers, dem ehemaligen Hofprediger Adolf Stöcker, an einem Strang. Auch dieser „teure Gottesmann" ist auf der schiefen Ebene des Antisemitismus neuerdings noch weiter abwärts gelangt, denn er schreibt in einem in der „Reformation" veröffentlichten Artikel: „Es ist in der Geschichte unerhört, daß ein hochbegabtes Volk wie die Deutschen, eine große Nation von 56 Millionen Seelen, sich von einer durchaus Minderbegabten Minorität, einigen hunderttausend Leuten fremder Rasse, andern Glaubens und völlig abweichender sittlicher Anschauung und Sitte, in seinem Wesen so beeinflussen läßt, daß es allmählich einen von seiner Vergangenheit verschiedenen Volkscharakter annimmt. Die Feindschaft gegen das Christentum, die Gleichgiltigkeit gegen Fürst und Vaterland und die Nichtachtung der nationalen Ehre sind lauter jüdische Tropfen im deutschen Blut, die in der sozialdemokratischen Bewegung wie ein Impfstoff gewirkt und die Teile des Volkes, die der Sozialdemokratie angehören, zersetzt haben." Es lohnt wirklich nicht, auf diesen Wust etwas zu erwidern, denn wenn von diesen Verleumdungen der deutschen Juden das Geringste wahr wäre, würde es eine Verleumdung des ganzen deutschen Volkes bedeuten, wenn man ihm nachsagte, baß es sich so beeinflussen ließe. In seiner „sozialen" Verstimmung hat