Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 536 (sequence 8)
- Language
- German
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536 Im deutschen Reich. als alles steht das Vaterland!" vollständig fern, wenn er auch den zionistischen Bestrebungen, soweit sie darauf abzielen, für heimatlos gewordene ausländische Glaubensgenossen gesicherte Heimstätten zu gründen, Berechtigung zuerkennt. In unserm lebhaftem Interesse für den Schutz unserer religiösen Einrichtungen und unserer bürgerlichen Gleichberechtigung sowie in unserer anspruchslosen, opferfreudigen deutsch-nationalen Gesinnung liegt allein das Geheimnis unserer bisherigen Erfolge. Unsere christlichen Mitbürger achten iw Central- Verein das Wesen echtdeutscher Männer, die mit offenem Visier selbst in die Bresche treten und ihre eigene Haut zu Markt tragen, wenn ihre heiligsten Güter bedroht werden. Unsere Glaubensgenossen aber sehen in uns keine „Sonder- oder Geheimregierung", sondern freiwillige Helfer, die keine Anordnungen geben, sondern nur Ratschläge, wenn sie erbeten werden. Ihnen ist der Central-Verein wertvoll geworden als ein weithin wirkender Mittelpunkt für eine systematische Verteidigung ihrer Rechte, nicht als ein politisches Centrum, sondern als ein neutrales Feld, auf dem sich die deutschen Juden der verschiedensten politischen und religiösen Richtungen friedlich Zusammenfinden, um zu erwägen, was nicht nur ihrer Glaubensgemeinschaft Recht und Achtung verschafft, sondern auch ihrem deutschen Vaterlande frommt. Wenn dieser Gemeinschaft in einigen Fällen das gewährt wird, was recht und billig ist, dann wird dies stets von den Antisemiten als ein „wunderbarer" Erfolg des Central-Vereins übertrieben und zum Zweck der Verhütung weiterer Zugeständnisse an Recht und Billigkeit zuweilen als eine „Verbeugung vor dem Judentum" bezeichnet. Wir denken viel kleiner von unfern Erfolgen; denn was erreicht wird, ist doch schließlich fast immer nur etwas, das nach Verfassung und Gesetz von selbst hätte geschehen müssen, ohne erst erbeten zu werden. Das geht wohl über das antisemitische Begriffsvermögen; denn sonst hätte die „Post", die „Kreuz-Zeitung" und die „Staatsbürger-Zeitung" nicht an dem im vorigen Heft unserer Zeitschrift mitgeteilten Bescheide des Vorstandes der Landesversicherungsanstalt der Provinz Brandenburg Anstoß genommen, nachdem wir selbst erklärt hatten, daß durch diesen Bescheid der Zweck unserer Eingabe noch keineswegs erreicht sei. Die „Volks-Zeitg." sprach sich völlig in unserem Sinne über diesen der Antisemitenpresse noch mel zu günstig erscheinenden Bescheid wie folgt aus: „Der Zusatz „christlich" war nicht blos überflüssig, da die Medizin mit der Konfession absolut nichts zu tun hat; er war auch geeignet, objektiv schädlich zu wirken, da erden Kreis qualifizierter Bewerber einschränkte. Es war aus diesen Gründen selbstverständlich, daß der Vorstand die Wiederholung eines