Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 535 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 535 noch mächtig genug ist, so fehlt uns doch nicht der Mut zu der Behauptung, daß wir einfach nicht bei dem deutschen Volke nur zu Gaste, sondern ebenso gut wie die Redakteure der „Post" Angehörige des deutschen Volkes sind und von dem „kulturfeindlichen" antisemitischen Geiste, den die „Post"-selbstverständlich mit Unrecht als „arischen" bezeichnet, herzlich wenig halten. Wenn einmal dieser Geist in Deutschland herrscht, dann wird in seinen Gauen die Glückseligkeit wieder genau so groß, wie nach dem westfälischen Frieden! Vor solchen antisemitischen Verwüstungen das Reich möglichst zu bewahren, ist eine Ehrenpflicht jedes deutschen Patrioten; deshalb können unsere Glaubensgenossen ihre Vaterlandsliebe nicht besser betätigen, als wenn sie bei allen Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlen die Losung beherzigen: „Unter allen Umständen gegen die Antisemiten". Keine politische Fraktion kann dem Reiche mehr Nachteil zusügen, als diejenige, welche unter trügerischer nationaler Flagge wühlt und doch dabei offen zugesteht, daß sie das deutsche Volk dazu verleiten will, durch Bruch von Verfassung und Gesetz und in Verhöhnung von Freiheit und Menschlichkeit eine halbe Million Andersgläubiger wieder zu rechtlosen Knechten zu machen. Kein Parteimann ist dem Reiche gefährlicher, als derjenige, dem seine international-antisemitische Clique höher steht als das Vaterland, dem er die „Schmach des Jahrhunderts" aufdrängen, dessen Rechtsbegriffe er verwirren, dessen Kulturbegriffe er auf das Niveau östlicher Barbaren Herabdrücken will! Der Antisemitismus lüftet häufig die loyale Maske und laßt erkennen, daß er trotz heuchlerischer Lovalitätsversicherungen den Umsturz der jetzigen staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung anstrebt, also zur Anarchie führt. Unter allen Umständen den Gegner eines antisemitischen Kandidaten wählen, heißt deshalb in vielen Fällen nichts anders, als das geringere Uebel wählen. Das ist die Rücksicht, die wir dem deutschen Volke und dem Staate schuldig sind; denn wir, die wir im offenen Kampfe mit den Antisemiten stehen, wissen doch am besten, daß jeder Erfolg unserer Gegner immer die deutsche Gesamtheit schädigt und erniedrigt. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens wollen nichts sehnlicher, als unbehindert und vollberechtigt Mitarbeiten an der Wohlfahrt und der Kulturaufgabe des deutschen Volkes, des deutschen Reiches. Das Judentum ist für sie nur erne heilige Religion, für die sie Achtung und Schutz, aber keinerlei Macht verlangen.. Die Herstellung eines jüdischen Zukunftsstaates liegt den Aufgaben des Central- Vereinsdeutscher Staatsbürger, in dessen Leitsätzen es heißt:. „Höher