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Im deutschen Reich · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. 534

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-09-01
Page
534 (sequence 6)
Language
German
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584 Im deutschen Reich. bezüglich der Sonntagsruhe und dergleichen mehr sofort zur Anzeige zu bringen? Oder ist der antisemitische Abg. Liebermann von Sonnenberg ein „Denunziant", weil die Staatsanwaltschaft seinen Strafanträgen Rechnung trug, die gegen Leute gerichtet waren, die ihn in Wahlflugblättern verdächtigt haben sollen? Unsere Strafanträge wegen Beschimpfung der jüdischen Religion waren alle mindestens ebenso berechtigt. Das Delatoren-Unwesen ist auch uns verhaßt; aber das, was man uns als „Denunziationen" nachfagt, werden wir fortsetzen, weil es eine Sünde ist, zu schweigen, wo es Pflicht ist zu reden! Wer unser Werk gerecht beurteilt, muß anerkennen, daß wir stets nur Klage über Dinge führen, die jeder rechtschaffene Mann mit uns beklagen muß, über Geschehnisse, die nicht ungesühnt bleiben dürfen, wenn nicht der Grundpfeiler des Staates, die Gerechtigkeit, arg erschüttert werden soll. Don den anscheinend auf der Kulturstufe der rumänischen Bojaren stehenden Rassenfanatikern können wir freilich ebensowenig wie von den Geschästsantisemiten eine unbefangene Beurteilung erwarten; nach ihren Begriffen hat nur der arische Deutsche Anspruch aus Rechtswohltaten, während der deutsche Bürger jüdischen Glaubens wegen feiner Abstammung rechtlos sein und sich nur als geduldeter Gast fühlen sollte. Daß die arische Abstammung des weitaus größten Teils der deutschen Bevölkerung auf sehr willkürlichen Annahmen beruht, weil seit der Völkerwanderung bis zur neuesten Zeit sich die Spuren des arischen Volkstums durch das beständige Zuströmen fremder Elemente fast vollständig verwischt haben, ist aber doch keinem Gebildeten zweifelhaft. Den antisemitischen „Chauvinisten", die durch ihren Terrorismus sogar manchen Gelehrten dazu gebracht haben, der Parteipolitik sogenanntes „wissenschaftliches" Material zum Tribut zu bringen, verschlägt dies wenig; denn ihnen geht immer Mackt vor Recht. In ihrem „arischen" Uebermut schreibt die „Post:" „Selbstverständlich wollen wir die Tonangebenden innerhalb unserer Grenzen sein und bleiben, aber wir haben keine Neigung, Maßregeln zu ersinnen, die sich gegen die Juden als solche richten. Können sie aber den arischen Geist, der bei uns herrschen soll, nicht ertragen, so mögen sie sich die Folgen selbst zuschreiben, aber auch den Mut haben, einzugestehen, daß die Intoleranz von ihnen ausgeht und der Antisemitismus der Völker, bei denen sie zu Gaste sind, nur erst eine Folgeerscheinung ihrer eigenen Intoleranz und Herrschsucht ist." Wenn unser Mut auch nicht so weit geht, uns dadurch lächerlich zu machen, daß wir dem hundertsten Teile der deutschen Gesamtbevölkerung eine Intoleranz und Herrschsucht zuschreiben, zu der er weder veranlagt

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