Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 532 (sequence 4)
- Language
- German
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532 Im deutschen Reich. ruhiger Achtung vor ihm steht. Und da empfindet die Bürgerschaft es wieder leider, wie sehr übel beraten der Kaiser ist, wenn er die Abnahme der Parade über sein Gardekorps, die ja alljährlich stattfindet, dem angekündigten Besuche der Deutschen Städte - Ausstellung vorzieht, ohne auch nur zu ahnen, wie tiefschmerzend dies für die Bürgerschaft sein muß, die korporativ sich zu dem Zwecke vereinigte, um ihn, den Kaiser, als ersten Bürger zu begrüßen. Diese Brüskieruug der monarchisch- und königstreu gesinnten Bürgerschaft ganz Deutschlands ist wieder eines jener Momente, das uns, wie schon oft zuvor, beweist, daß die Berater unsres Kaisers ihre Pflichten mit besonders glücklicher Hand nicht zu erfüllen vermögen. Wir hoffen zwar, daß der Kaiser die Ausstellung doch noch mit einem Besuche erfreuen wird und daß auch den hohen Herren um ihn endlich einmal das Licht aufgeht, das sie nötigst brauchen, um nicht Agitationsstoff für die rote Internationale aufzustapeln. Daß wir so kurzsichtige Berater an der Seite des Kaisers haben, das ist das Malheur, das der roten Internationale zur ebenso großen Schadenfreude gereicht, wie dem deutschen Volke zur schweren Sorge für die Zukunft. Männer, die für Volks- und Bürgertum kein Verständnis haben, gehören nicht als Berater an die Seite von Kaiser und Königen." Von Leuten, die der Reichsregierung solche Malicen zu sagen wagen und trotzdem dabei sich in Wort und Schrift brüsten, die besten Schützer gegen alle Umsturzbestrebungen zu fein, kann auch kein anderes widersinniges Doppelspiel überraschen. Immerhin gehört eine gute Dosis „Unverfrorenheit" auch dazu, daß sie bei anderen Gelegenheiten die von ihnen wie ein scheues Wild gehetzten Juden als kühne Verfolger schildern, wenn sie den diesen Bedrängten aufgezwungenen Kampf zur Verteidigung ihrer heiligsten Güter einer angeblichen Sucht zu Angriffen und zur Geltendmachung unberechtigter Ansprüche zuzuschreiben wagen. Sie beweisen dabei aber nur aufs neue, wie niedrig sie die Urteilskraft des deutschen Volkes veranschlagen, und wie geringe Menschenkenntnis sie den maßgebenden Kreisen zutrauen, welche doch kaum an die Fabel glauben können, daß geduldige Haustiere reißende Wölfe anfallen könnten. Der Wurm, der sich krümmt, wenn er getreten wird, ist deshalb noch lange keine Gefahr für harmlose Wanderer; ein Roß, daß sich gegen einen Peiniger aufbäumt, zeigt dadurch noch keine Tigernatur. Schließen sich die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens in einem Central-Verein brüderlich aneinander, nicht um sich von ihren christlichen Mitbürgern abzusondern, sondern