Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 531 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 531 Männer der Unabhängigkeit und dem Gerechtigkeitssinn der Staatsleitet zu zollen verpflichtet waren. Sie wagten es endlich auch, dem Monarchen, deffen charaktervolle Festigkeit sie allen Grund zu fürchten haben, ein „Landgraf, werde hart!" zuzurufen, nur um ihm Schwäche gegen die denAntisemitenabholdenKreise anzudichten. Daß es ihnen dabei stets weniger darum zu tun war, den Juden etwas anzuhängen, als die höchste Stelle zur Erfüllung ihrer Sonderwünsche moralisch zu zwingen, ging daraus hervor, daß sie durch ihre verletzenden Sarkasmen über die „Engländerei", die „Burenbehandlung" und durch in kürzen Zwischenräumen sich stets wiederholende Jeremiaden über die Form der Entlassung Bismarcks ihrem Fürsten oder seinen Ratgebern bittere Vorwürfe auch über solche Maßnahmen wachten, bei denen sie selbst jüdischen Einfluß als ausgeschlossen erachten mußten. Zwei Tage vor dem erwarteten Eintreffen des deutschen Kaisers in Dresden zum Besuche der Städteausstellung schreibt das Organ dex dortigen Antisemiten, die „Deutsche Wacht" aus Anlaß der Enthüllung des Bismarck-Denkmals: „Wir setzen ihm ein Denkmal in unseren Mauern nicht weil es dessen bedurft hätte, um sein Gedächtnis lebendig zu erhalten in einer Stadt, in die er als entlassener, in Uriasbriefen verleumdeter, tiesgekränkter Mann einst Einzug hielt wie ein König, begeistert begrüßt von jubelnden Tausenden und Abertausenden. Wir gedenken seiner immer, so oft stolze oder trübe Vaterlandsgedanken uns bewegen. Jedes Bismarckdenkmal ist zugleich ein bronzener Protest gegen die Staatskunst des neuen Kurses, der ängstliche Rücksichtnahme anstelle der selbstbewußten Kraft, wortreiche Nervosität anstelle der stillen Arbeit fetzte, das Schwanken und Ausweichen für besser hielt als die stete, zähe Festigkeit und der Wohlfahrt, wie dem Anfehen des Vaterlandes schwere Wunden geschlagen hat." Am 3. September richtet dasselbe Blatt an den kaiserlichen Gast folgende Apostrophe: „Wir beherbergen ferner den xrimus luter pares, den deutschen Kaiser Wilhelm II., der als oberster Kriegsherr in unseren heimatlichen Gefilden Heerschauhält. Kaiser Wilhelm nennt sich selbst den ersten Bürger im Reich, und wir begrüßen ihn auch als diesen, zumal in unfern Mauern das schönste Denkmal deutschen Bürgerfleißes und der Opferwiüigkeit des Bürgertums, die Deutsche Städte - Ausstellung, auch ihre Pforten offen hält, auf daß der erste Bürger erkenne und beurteile, was das deutsche Bürgertum für das Wohl und Wehe des sozialen Zusammenlebens durch Jahrzehnte geleistet hat. Das Werk der Deutschen Städte-Ausstellung ist so gigantisch in seiner Wirkung, daß selbst der schärfste Feind des Bürgertums, die Sozialdemokratie, mit