Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-09-01 · Heft 9 (September 1903) · p. 522

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 9 (September 1903)
Article
Ein deutscher Philosoph als Philosemit
Date
1903-09-01
Page
522 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316710-2331999--11436-2332079
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

522 Im deutschen Reich. Mehr kann ich nicht schreiben, da ich leider noch immer nicht von einem Augenübel befreit bin. Ergebenst Krug." „Leipzig, d. 29. Jan. 36. Hochgeehrtester Herr Doctor, Ihre Idee, hier eine jüdisch-theologische Fakultät zu errichten, hat mir schon längst vorgeschwebt. Aber es ist noch nicht Zeit, an deren Verwirklichung zu denken. Wir müssen erst abwarten, was der nächste Landtag hinsichtlich der Emancipation thut. Diese muß vorausgeben. Ich halt' es nicht einmal für gut, die Idee jetzt schon auszusprechen und anregen zu wollen. Die Judenfeinde würden gleich sagen: „Seht, noch sind die Juden nicht einmal emanzipiert; und schon wollen sie einen Platz aus der Universität als Fakultät haben." Schweigen wir also lieber jetzt davon! Ach, es giebt ja noch so viel Gegner der Emanzipation, selbst unter Männern, die man für aufgeklärt und liberal hält, wie -Paulus und Rotteck in Baden. Die gute Sache hat leider noch so viel Widersacher, daß man nicht vorsichtig genug zu Werke gehen kann. Es wird aber ein Vorurtheil nach dem andern fallen, damit tröst' ich mich auch in Ansehung der katholisch-theologischen Fakultät. Denn bis jetzt hat dieses Projekt auch mehr Feinde als Freunde gesunden. Empfehlen Sie mich den werthesten Ihrigen und leben Sie recht Wohl! Ergebenst Krug. M. Mit meinen Augen geht es leider noch nicht bester." Zahlreiche Briese Krugs beklagen dann den langsamen Gang der Emanzipationssache. Unterm 29. Oktober 1836 heißt es: „Der neue Universitätsdeputirte, Domherr D. Günther, hat mir versprochen, weine neue Petizion, die ich zunächst um Ihrer Sache willen geschrieben habe, den Ständen nicht nur zu übergeben, sondern auch so zu beantworten, daß sie Eingang finde." Aber der Landtag sträubte sich noch, und unterm 29. Jan. 37 klagt Krug: „Sie können Wohl denken, daß ich mit den dermaligen Verhandlungen des Landtags über Ihre so gerechte Sache nicht zufrieden bin. Warum mußte mich ein so schlimmes und so anhaltendes Augenübel befallen, daß ich diesmal alle persönliche Teilnahme verbitten mußte! Nun, verlieren Sie nur nicht den Mutb! Es wird, es muß doch besser werden. Ich werde auch bald wieder ein öffentliches Wort darüber sprechen, wenn mir Gott Leben und Gesundheit schenkt."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.