Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Ein deutscher Philosoph als Philosemit
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 520 (sequence 8)
- Language
- German
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520 Im deutschen Reich. „Leipzigs d. 17. April 34. Ew. Wohlgeboren können über Ihre Abh. Orbita reeti ganz nach Gefallen disponieren, da sie Ihr Eigenthum bleibt. Die Fakultät hat gar keinen Anspruch daran. Wenn Sie aber dadurch richtigere Ansichten vom Judenthum verbreiten wollen, so müssen Sie dieselbe wohl ganz deutsch herausgeben. Denn lateinische Schriften haben nur ein kleines Publikum. Wollten Sie aber dieselbe lateinisch und deutsch zugleich Herausgebers so würde die Schrift nur verteuert, desto minder käuflich werden. Hochachtungsvoll und ergebenst Krug." Wie sich Professor Krug auch noch in anderer Weise um die Juden verdient machte, zeigen die folgenden Schreiben. Der darin erwähnte Student ist der später rühmlichst bekannt gewordene Sanitätsrat Dr. Bernhard Hirschel, der, der homöopathischen Schule angehörig, durch eine wissenschaftliche Fehde mit Bock, dem Verfasser des „Buches vom gesunden und kranken Menschen^ und als Verfasser des in vielen Auflagen erschienenen „Arzneischatzes", viel genannt wurde, in Dresden eine umfangreiche ärztliche Praxis hatte, aber auch als Förderer des schönwissenschaftlichen Lebens später großes Ansehen genoß. Krug schreibt über Hirsche! an Beer: „Leipzig, d. 22. Oktober 34. Ew. Wohlgeboren gütige Zuschrift hat mir Herr Hirsche! richtig überbracht. Gern werd' ich Ihren Wunsch, ihm sein hiesiges Studium zu erleichtern, erfüllen. Er soll alle Collegia, die er bei mir hören will, frei haben; wie ich auch schon ihm selbst gesagt. Mit Stipendien ist es eine schwierige Sache. Sie sind fast alle für christliche, die meisten sogar für lutherische Studenten bestimmt, so daß nicht einmal Katholiken und Resormirte daran teilnehmen können. Das ist noch eine böse Frucht der alten Intoleranz. Und doch kann man rechtlicher Weise von den Stiftungs-Urkunden nicht abgehen. Nun, das wird sich in der Folge auch ändern. Ich habe bereits in beiliegender Schrift einen Impuls dazu gegeben. Leider haben die jetzigen Stände meinen Vorschlag, der doch so wohlbegründet war, nicht genehmigt, wie Sie aus den Landtagsnachrichten werden ersehen haben. Ach, das Gute schreitet so langsam vorwärts, während das Böse schnell um sich greift! Leben Sie recht wohl und empfehlen Sie mich den Ihrigen. Ergebenst