Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Ein deutscher Philosoph als Philosemit
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 514 (sequence 2)
- Language
- German
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514 Im deutschen Reich. eine Anstellung nicht rechnen durfte. Er verließ daher seine sächsische Heimat, einem Rufe an die Universität Frankfurt a. O. folgend. Bon dort kam er nach Kant's Tode als dessen Nachfolger auf dem Lehrstuhle nach Königsberg. In Königsberg verlebte Krug dann jene Unglückszeit Preußens, in welcher das Königspaar dort seine Zuflucht nahm und einige Zeit residierte. In begeisterter Weise spricht der Philosoph vom „Schutzengel Preußens", der Königin Luise. Fichte, mit dem er vorher in einem akademischen Streit gestanden, lernte er persönlich boxt kennen. Im Jahre 1809 kehrte er nach Sachsen zurück, da er nach Leipzig berufen wurde. Obwohl ihm die Menschen in Königsberg lieb geworden waren, nahm er doch die minder hoch besoldete Stellung in Leipzig an, weil seine Gattin, eine Tochter des Generalmajors von Zenge in Frankfurt a. O., das Klima Ostpreußens schlecht vertrug. Seine literarische Tätigkeit war ungemein vielseitig. Neben seiner „Geschichte der Philosophie alter Zeit", seinem „System der praktischen Philosophie" und anderen in sein engeres Gebiet fallenden Arbeiten veröffentlichte er „Kreuz- und Querzüge eines Deutschen auf den Steppen der Staatskunst und Wissenschaft", ferner: „eine neue Gefühlstheorie", die den Gefühlsmenschen nicht behagte, und eine neue „Restauration der Staatswissenschaft", die den Staatsmännern nicht gefiel. Außerdem gab er eine Menge kleiner Schriften heraus über den Tugendbund und den heiligen Bund, über das Repräsentativ-System und das Reformations- Jubelfest, über die Preßfreiheit und den Hochdruck, über das preußische Zollgesetz und die preußische Staatszeitung, über Hetzer und Proel ytenmacherei, über und gegen Sturdza, Kotzebue, Heller, A. Müller, Fabricius, Frau von Krüdener, gegen Beckedorf und Eylert, und selbst gegen Apollo, nämlich den von „Leukopetra". Krug starb am 12. Januar 1842 zu Leipzig. In allen seinen Schriften findet man kaum eine Aeußerung, die ihn direkt als Philosemiten kennzeichnet, abgesehen davon, daß er im allgemeinen für Toleranz in religiösen Fragen eintrat. Daß er in Frankfurt an der Oder, wie er in seiner Autobiographie berichtet, bevor er Fräulein von Zenge heiratete, „anfangs die Augen aus eine schöne Jüdin warf, die aber bald darauf starb", zeigt immerhin, wie vorurteilslos er war; denn er berichtet dies in so engem Zusammenhänge mit seiner Verlobung, daß man jene Erwähnung vollkommen ernsthaft zu nehmen hat. Während seiner Tätigkeit in Leipzig wandte sich an ihn ein junger jüdischer Gelehrter aus Dresden, Bernhard L. Beer (geboren