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Im deutschen Reich · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. 486

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Berlin
Date
1903-08-01
Page
486 (sequence 3)
Language
German
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486 Im Deutschen Reich. sind sie in der Reichshauptstadt Berlin vertreten, wo auch eine Zunahme stattgefunden hat, von 4,4 pCt. im Jahre 1871 auf 4,9 pEt. im Jahre 1900. Stärkere jüdische Bevölkerung hatten 1871 noch die Provinzen Westpreußen'mit 2,0, Posen mit 3,9 und Hessen-Nassau mit 2,6 pCt. In der letztgenannten Provinz beträgt sie auch jetzt noch 2,5 pCt., in der anderen ist sie auf 1,2 resp. 1,9 pCt. gefunken. Im Königreich Sachsen, dem Eldorado der Antisemiten, hat zwar sine Vermehrung der Juden stattgefunden, von 0,17 auf 0,30 pCt., doch blieb sie hier, wie diese Zahlen zeigen, stets beträchtlich hinter dem Durchschnitt im Reiche zurück. Bezüglich der Ursachen der Abnahme der jüdischen Bevölkerung sagt das Statistische Amt: „Sie mag auf Uebertritte von Israeliten zu christlichen Bekenntnissen zurückzuführen sein, ein Rückgang der Bevölkerung jüdischer Rasse hat schwerlich stattgefunden, indessen gibt hierüber die Statistik der Konfessionen keine Auskunft." Diese vermutete Erklärung ist nicht stichhaltig. Bei genauerer Berechnung ist der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung 1,041 pCt. In den sechs Jahren von 1895 bis 1900 haben 2888 Uebertritte vom Judentum zum Christentum stattgefunden. Zählt man diese Personen, die am 1. Dezember 1900 zweifellos nicht mehr sämtlich lebten, den Juden zu — man müßte bei Hervorhebung der Rasse übrigens 130 vom Christentum zum Judentum übergetretene in Abzug bringen, doch wollen wir dies nicht berücksichtigen —, so erhöht sich der Prozentsatz der Juden nur auf 1,046 pCt. Nun gab es am 1. Dezember 1902 im Deutschen Reich noch 10 602 „Personen anderen Bekenntnisses", worunter Freidenker, Cogitanten, aus der evangelischen Landeskirche ausgeschiedene, Gottgläubige und viele andere zusammengefaßt sind. Zählen wir alle diese den Juden zu, obwohl nur ein geringer Bruchteil von ihnen aus dem Judentum stammt, so haben wir immer erst 1,065 pCt. Juden in Deutschland; der Rückgang wird also keineswegs hierdurch wett gemacht. In Wirklichkeit kann man also nicht von einer zunehmenden Berjudung Deutschlands sprechen, sondern allenfalls von einer Entjudung, wenn es nicht überhaupt lächerlich wäre, bei dem überaus geringen Prozentsatz, den unsere jüdischen Mitbürger zur Bevölkerung liefern, solche Worte anzuwenden." Wie der „Consektionär" berichtet, hat der Verband Deutscher Tuchgroßhändler beim sächsischen Landgerichte in Leipzig und auch vor dem Landgerichte in München gegen den Kaufmann Christian L. Josef Seiler, Inhaber der bekannten Schneiderartikelfirma F. A. Seiler in Dessau, welcher in verschiedenen deutschen Städten Zweigniederlassungen besitzt, Klage wegen unlauteren Wettbewerbes

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