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Im deutschen Reich · 1903-08-01 · Heft 8 (August 1903) · p. 485

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 8 (August 1903)
Article
Berlin
Date
1903-08-01
Page
485 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 485 bandelt, welche von dem Kaufmann Hermann Lewinski, dem Tempeloiener Nossek und der Flcischermeisters-Ehesrau PaulineLewv, sämtlich Nl Könitz, dem Fleischermeister I. Eisenstädt zu Prechlau und dem Fleischermeister Eisenstädt zu Sch loch au gegen den früheren Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung", jetzigen Abgeordneten für den Kreis Schlochau, OttoBöckler, angestrengt worden war. Die fünf Kläger find derzeit im Prozeß Maaslosf als Zeugen vernommen worden. Ihr Auftreten und ihre Aussagen wurden in einem Artikel - unter der Uebersehnst „Der Blutmord in Könitz", der am 1. Februar 1891 in der „Staatsbürger-Zeitung" erschien, in einer Weise kritisiert, daß die Klagenden darin den Vorwurf des wissentlichen Meineids erblickten. Der Vertreter der Kläger, R.-A. Sonnenfeld, beantragte unter Hinweis darauf, daß in gleichen Fällen frühere Angeklagte zu Freiheitsstrafen verurteilt worden seien, auch gegen den Beklagten Böckler eine Gefängnisstrafe. Der Verteidiger, R.-A. Ulrich, trat dagegen für eine gelinde Strafe ein, die er damit begründete, daß die Wogen der Erregung über den heute noch unaufgeklärten Winter'schen Mord zur damaligen Zeit besonders hoch gingen. Der Gerichtshof trug diesem Umstande Rechnung und verurteilte den Beklagten zu einer Geldstrafe von 300 Mark. Den Klägern wurde die Publikationsbefugnis in der „Staatsbürger-Zeitung", dem „Berliner Tageblatt" und im „Konitzer Tageblatt" zugesprochen. Unter der Ueberschrift „Die Verjudung Deutschlands", schreibt der „Vorwärts": „Wer antisemitische Blätter liest, muß glauben, daß die jüdische Bevölkerung in Deutschland beständig wächst. Wir würden in einer solchen Erscheinung durchaus nichts Beklagenswertes finden, denn wir halten nicht das Judentum, sondern den Kapitalismus für den Feind der allgemeinen Kulturentwicklung, den es zu bekämpfen und zu überwinden gilt. Aber abgesehen davon ist die Behauptung von der starken Vermehrung der Juden, an den Tatsachen geprüft, überhaupt eine falsche, was ja bei Behauptungen von Antisemiten nicht gerade verwunderlich ist. Die vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebene Bearbeitung der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 zeigt bei einer Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches von fast 56l/3 Millionen nur 586 833 Israeliten, d. i, 1 pCt. Daneben stehen die Angaben aus früheren Zählungen, und zwar in den Jahren 1871, 1880, 1885, 1890, 1900 der Reihe nach 1,2, 1,2, 1,2, 1,1, 1,0 pCt. Israeliten vorhanden. In den 30 Jahren oon 1871 bis 1900 ist also eine Abnahme der jüdischen Bevölkerungum nicht weniger als 0,3 pCt. im ganzen Reich zu beobachten. Die Verteilung der Juden im Reich ist sehr verschieden. Am stärksten

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