Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-08-01
- Page
- 483 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. 483 versetzt, der Chef der Gendarmerie, Lewendal, aus dem aktiven Dienste entlassen, dem abberusenen Gouverneur Baron von Raaben die beim Zaren Nachgesuchte Audienz abgeschlagen wurde, macht keinen der „bildlich" erschlagenen Juden wieder lebendig. Wenn der fanatische Oberprokurator des heiligen Synods in den letzten Julitagen durch den Bischof von Kischinew die Geistlichkeit anweisen ließ, in der Kirche durch Predigten und außerhalb derselben durch Belehrung aus die orthodoxe Bevölkerung einzuwirken, damit der religiöse Haß gegen die Juden schwinde, so "kommt diese Anordnung viel zu spät. Im übrigen muß der Versuch einer Belehrung der Bevölkerung fruchtlos bleiben, solange die russische Regierung die Ausnahmegesetze gegen die Juden aufrech! erhält und die Verbreiter von Ritualmord-Märchen unbestraft läßt. Diese dürfen aber ihr elendes Handwerk weiter treiben. Ein Rechtsanwalt in Kischinew, dem Kruschewan 20 000 Rubel schuldet, hat aus dessen „Bessarabetz" Beschlag gelegt. Bei der stattgehabten Gerichts-Verhandlung ist ihm das Besitzrecht des Blattes auch zugesprochen worden. Run ereignete sich aber etwas in den Annalen der Justiz aller Länder Unerhörtes: Kruschewan, der auch in die Kosten des Prozesses verurteilt wurde, erklärte sich außer Stande, zu zahlen. Das Anerbieten des Rechtsanwalts, seinerseits die Zahlung zu leisten, wurde vom Gericht abgewiesen, und Kruschewan blieb Eigentümer des Blattes, das er denn jetzt auch wieder herausgiebt! In dem rumänischen Städtchen Dubossary ist neuerdings Michael. Timoschtschick unter dem erdrückenden Verdacht sestgenommen worden, seinen jungen Neffen Michael Rybatschenko ermordet zu haben, um sich des ihm von seinem Großvater ausgesetzten Erbteils zu bemächtigen. Diese Untat hat der „Bessarabez" s. Z. zu der frevelhaften Ausstreuung benutzt, daß Juden den Knaben zu rituellen Zwecken ermordet hätten. Tatsächlich hat dieses von dem Rumänen Kruschewan in Südrußland verbreitete Märchen nicht nur über zahlreiche jüdische Familien unsagbares Elend gebracht und die ganze Stadt. Kischinew unbeschreiblich geschädigt, sondern auch dem russischen Staate durch ausländische Zurechtweisungeu empfindliche Demütigungen zugezogen. Hier trifft das Wort Heinrich Heines zu: „Doch die Katze, die Katz' ist gerettet", denn Kruschewan hat sein Geschäft gemacht und bei gewissen russischen Kreisen sich eine leicht auszubeutende Beliebtheit verschafft. Auch in der österreichisch-ungarischen Monarchie wird die antisemitische Presse nicht müde, jeden Lustmord zur Auffrischung des Ritualmordwahnes zu verwerten. Unter der Überschrift „Ein Ritualmord" berichtete am 4. August das antisemitische Wiener ^Deutsche Volksblatt": „Bei Szepes - Zokubsalu wurde eine